Eine Frau in Moskau trauert um die Opfer des am 31. Oktober am Sinai abgestürzten Airbus. - © ap/Pavel Golovkin
Eine Frau in Moskau trauert um die Opfer des am 31. Oktober am Sinai abgestürzten Airbus. - © ap/Pavel Golovkin

Moskau/Wien. "Mehr als wahrscheinlich" war es am Donnerstag für den britischen Premier David Cameron, dass der russische Airbus, der vergangene Woche auf der ägyptischen Halbinsel Sinai abgestürzt war, von einer Bombe zerstört wurde. Etwas vorsichtiger äußerte sich wenige Stunden nach ihm US-Präsident Barack Obama. "Ich denke, es gibt eine Möglichkeit, dass eine Bombe an Bord war. Und wir nehmen das sehr ernst", sagte Obama in einem Interview des Rundfunksenders Kiro/CBS.

Nach französischen Medienberichten stützt die Auswertung der Flugschreiber die These eines Terroranschlags. Während des Flugs sei klar ein Explosionsgeräusch zu hören, berichtete der Fernsehsender France 2 am Freitag online unter Berufung auf einen Ermittler. Dieser habe erklärt, die Explosion sei nicht die Folge einer Triebwerkspanne. Die Nachrichtenagentur AFP meldete mit Hinweis auf eine anonyme Quelle, dass der Flugdatenrekorder einen plötzlichen Absturz bestätige: "Alles ist normal, völlig normal während des Flugs, und dann plötzlich nichts mehr." Zudem wirke es auf Fotos der Trümmerteile so, als seien diese von innen getroffen worden, was eher für die These einer Bombe spreche.

In Moskau sind die Behörden aktuell indes am allervorsichtigsten. Der Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB, Aleksandr Bortnikow, erklärte am Freitag, die Untersuchungen des Flugzeugsabsturzes, bei dem 224 hauptsächlich russische Staatsbürger ums Leben kamen, müssten auf die sorgsamste Art und Weise geführt werden - und so lange wie notwendig. Gleichzeitig erklärte Wladimir Putschkow, Chef des Zivilschutz- und Katastrophenministeriums, dass von allen Flugzeugteilen, auf denen Spuren einer Explosion zu finden sein könnten, Proben genommen wurden. Diese seien mittlerweile in Russland und würden von den "besten Spezialisten" mit modernster Technologie untersucht. Und Putschkow fügte hinzu: "Wenn es Spuren einer Explosion gibt, dann werden sie mit Sicherheit entdeckt."

Putin scheut Auftritte vor Hintergrund von Katastrophen


Auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin könnten wegen des Absturzes auf dem Sinai schwierige Zeiten zukommen. Sollte sich herausstellen, dass der Airbus durch einen Sprengsatz zum Absturz gebracht wurde, könnte dies Putin innen- und außenpolitisch zusetzen - und den russischen Syrien-Einsatz, der Ende September startete und mit dem auch der Großmachtanspruch des Landes untermauert wird, infrage stellen. So ist es wenig verwunderlich, dass im staatlichen TV der Flugzeugabsturz nicht die Topmeldung ist.