Peking. Das Urteil gegen den bekannten chinesischen Bürgerrechtsanwalt Pu Zhiqiang wird "in den nächsten Tagen" erwartet. Nach der kurzen Verhandlung vor einem Volksgericht am Montag in Peking sagte sein Anwalt Mo Shaoping einer Presse-Agentur, er wisse keinen Termin, aber die Entscheidung werde "sehr bald" fallen.

Dem 50-jährigen Pu Zhiqiang drohen wegen regimekritischer Äußerungen über den twitterähnlichen chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo bis zu acht Jahre Haft. Ihm wird "Anstiftung zum ethnischen Hass" zur Last gelegt. Er soll auch "Streit angezettelt und Ärger provoziert" haben. Der unter Diabetes leidende Anwalt ist seit Mai 2014 in Haft.

Diplomaten ausgeschlossen

Das Gericht verweigerte rund zehn Diplomaten die Teilnahme. Die EU, Österreich, Deutschland, die Niederlande, Schweden, England, Frankreich, die USA und Neuseeland hatten jeweils Vertreter entsandt, die aber vor dem Gericht ausharren mussten.

Zum Prozessbeginn kam es zu Rangeleien mit Sicherheitskräften, die handgreiflich gegen Unterstützer und ausländische Journalisten vorgingen. Mehrere Personen wurden abgeführt.

Gegen Einschüchterung

Der Club der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) protestierte gegen das gewaltsame Vorgehen und forderte, "die Belästigung und gewaltsame Einschüchterung ausländischer Journalisten einzustellen". Beamte in Uniform und Zivil hätten ausländische Korrespondenten, Kameraleute und chinesische Mitarbeiter geschlagen, gestoßen und weggedrängt. Der Versuch, die Berichterstattung zu verhindern, sei ein Verstoß gegen die Regeln für ausländischer Korrespondenten.