Nollywood elektrisiert Afrika: Szene aus einem Streifen aus Nigeria. - © reuters/Akintunde Akinleye
Nollywood elektrisiert Afrika: Szene aus einem Streifen aus Nigeria. - © reuters/Akintunde Akinleye

Kapstadt. (ce) Die afrikanische Filmbranche kämpft, zumindest die hochqualitativen Filme des Kontinents. Diese finden kaum Publikum oder überhaupt keinen Ort, an dem sie gezeigt werden können. Durch das mangelnde Interesse würden wiederum kaum hochqualitative afrikanische Streifen produziert, erklärte der nigerianische Filmkritiker Didi Anni Cheeka den Zuschauern des Afrika-Tages auf der Berlinale.

Allein Nigerias sogenannte "Nollywood-Filme", die oft mit kleinstem Budget in nur wenigen Tagen oder Wochen fertig gestellt werden, feiern Erfolge auf dem Kontinent. Der Begriff "Nollywood" repräsentiert aber mehr als nur eine Filmbranche. Er steht für ein dynamisches nigerianisches Unternehmertum und eine Nation, die sich als natürlicher Anführer Afrikas sieht. Immerhin übertraf Nigeria, nach eigenen Angaben, seinen Rivalen Südafrika vor zwei Jahren als größte Wirtschaft des Kontinents.

2500 Filme jährlich


Teil dieses Wachstumserfolgs von Afrikas bevölkerungsreichstem Land ist auch dem explosiven Anstieg seiner Filmbranche zuzuschreiben. Mit 2500 Filmen jährlich ist Nigeria nach dem indischen Bollywood weltweit der zweitgrößte Filmproduzent. Es hat amerikanische, indische und chinesische Filme auf den Bildschirmen in Bars, Frisörsalons, Flughäfen und Wohnungen in ganz Afrika abgelöst. Das ist auch Experten im Ausland nicht entgangen.

"Jedes Mal, wenn ich Forscher aus Europa oder Amerika treffe, die mehr über das afrikanische Kino wissen wollen, sprechen sie nur über Nollywood", bestätigt auch Cheeka. Die Filmthemen sind auf dem ganzen Kontinent zu einem kulturellen Phänomen geworden. Sie erzählen von der Spannung zwischen individuellem Streben und weiterem Familienkreis, zwischen der Anziehungskraft der boomenden afrikanischen Städte und dem Leben in den traditionellen Dörfern, zwischen Christentum und traditionellen Glaubensrichtungen. Das kommt an, denn viele Afrikaner verschiedener Nationen finden sich in diesen Erzählungen wieder.

Die Branche gibt etwa einer Million Menschen Arbeit und ist damit nach der Landwirtschaft Nigerias zweitgrößter Arbeitgeber. Während die Filme vor anderthalb Jahrzehnten noch als Heimvideos abgetan wurden, die über Videokassetten in ganz Afrika verteilt wurden, ist Nollywood inzwischen über Satellit, Kabelfernsehen und Online-Streaming erhältlich. Die Produktion kostet oft nicht mehr als 25.000 Dollar.

Effizienter Vertrieb


Sobald ein Film im nigerianischen Asaba fertiggestellt ist, wird er deshalb in alle Ecken Afrikas verschickt, in Französisch oder eine der afrikanischen Sprachen übersetzt und manchmal sogar für die lokalen Zuschauer angepasst. Nollywoods finanzieller Erfolg liegt neben den niedrigen Produktionskosten vor allem im effizienten Vertrieb der Filme.

Das hat auch auf andere Länder Auswirkungen. In der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa zum Beispiel führt der Rummel um die Nollywoodfilme sogar dazu, dass Frauen die Kleidung und Frisuren ihrer Lieblingsdarstellerinnen nachahmen. Nollywood erlaubt auch anderen Nationen, ihre Geschichten zu erzählen. "Afrika hat Kreativität und Talent, aber es braucht das richtige Umfeld, in dem sie gedeihen können", sagte der erfahrene mosambikanische Filmemacher Pedro Pimenta. Andere Nationen sollten sich ein Beispiel an dem nigerianischen Geschäftsmodell nehmen. "Es gibt ein riesiges Potenzial, das wir oft nicht sehen, weil die Kinositze nicht in rotem Samt verpackt sind", sagte Pimenta. "Aber wir haben es mit einer wirklichen Wirtschaft zu tun."