Jakarta. Indonesiens sexuelle Minderheiten zeigen sich zunehmend beunruhigt: Kürzlich verkündete die Regierung in Jakarta, sie wolle Smartphone-Apps für Homosexuelle verbieten, weil diese "sexuelle Abartigkeit" förderten.

Die Aufforderung des Ministeriums für Kommunikation und Information an die US-Technologiekonzerne Google und Apple, mehr als ein Dutzend Dating-Apps für Homosexuelle in ihren App-Stores zu sperren, steht für einen härteren Kurs gegen sexuelle Minderheiten im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt.

Beschimpfungen und Hassreden

"Während des vergangenen Jahres gab es einen starken Druck auf unsere Gemeinschaft, und das ist sehr beunruhigend", sagt Yuli Rustinawati, Vorsitzende von Arus Pelangi, einer Gruppe von Rechtsanwälten, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi-und Transsexuellen einsetzen. "Unsere Leute mussten Beschimpfungen und Hassreden ertragen und wurden sogar aus ihren Wohnungen geworfen", klagt sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe eine "Phobie" gegen Menschen mit abweichenden sexuellen Orientierungen.

Insgesamt 150 Fälle von Diskriminierung, Schikanen und Angriffen hat die Gruppe seit Anfang des Jahres gezählt. Dabei ist Homosexualität im muslimischen Indonesien nicht strafbar. Schwule und Transsexuelle, unter ihnen die berühmtesten TV-Stars des Landes, werden gemeinhin toleriert. Aber die homophobe Stimmung nahm zu, nachdem Bildungsminister Muhammad Nasir Anfang des Jahres vor Schwulen- und Lesbenaktivisten an den Universitäten warnte und ihre Gruppen vom Campus verbannte.

Ton hat sich verschärft

Seither hat sich der Ton von Beamten und religiösen Führern gegen die Aktivisten verschärft. Im Februar forderte das Ministerium für Kommunikation und Information soziale Netze wie Twitter auf, Emojis mit gleichgeschlechtlichen Paaren vom indonesischen Markt zu nehmen. Maruf Amin, Vorsitzender des Rates der Ulema, der halboffiziellen Islam-Behörde des Landes, bezeichnete Homosexualität als große Sünde. "Solche Aktivitäten sind im Islam und anderen Religionen verboten, und ebenso verboten ist es, für sie zu werben", sagte er. Ein früherer Verteidigungsminister schlug sogar vor, eine Klinik einzurichten, um Schwule und Lesben zu "heilen".

Das indonesische Verfassungsgericht beschäftigt sich mit einem von konservativen Gelehrten eingebrachten Antrag, einvernehmliche homosexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen mit einer Höchststrafe von bis zu fünf Jahren Gefängnis zu belegen. Bisher gibt es dazu noch keine Entscheidung.

Die in New York ansässige internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach im August von "noch nie da gewesenen" Angriffen auf sexuelle Minderheiten in Indonesien. "Die diskriminierenden Handlungen indonesischer Amtspersonen und Institutionen haben die Tiefe und Breite der Vorurteile der Regierung offengelegt", schrieb die Gruppe.

Warnende Worte des Staatspräsidenten

Staatspräsident Joko Widodo, der versprochen hat, Toleranz und Vielfalt zu fördern, blieb in dieser Sache weitgehend still. Sein Sprecher Johan Budi sagte im August, dass alle Bürger vor dem Gesetz gleich seien, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. "Aber wenn Schwule und Lesben versuchen, andere Leute zu beeinflussen, ihrem Lebensstil zu folgen, dann ist das nicht in Ordnung. Dafür gibt es keinen Platz", fügte er warnend hinzu.

Aktivistin Yuli sagt, die Gruppe Arus Pelangi habe sich von den unablässigen Attacken nicht einschüchtern lassen. "Wir machen keine Werbung für unseren Lebensstil, aber wir werden Diskriminierung und Unrecht weiter beim Namen nennen", sagt sie. Sie unterstütze das Vorgehen der Regierung gegen Sexualverbrechen, wie jüngst bei der Zerschlagung eines Prostitutionsrings mit Minderjährigen. "Aber wird das Verbot von Dating-Apps das Problem lösen? Ich glaube es nicht. Ein Verbrechen ist ein Verbrechen, egal ob es von einer homo- oder heterosexuellen Person verübt wurde", sagt sie.