Juba/Wien. (klh) Es ist nicht so, dass der Südsudan keine Einnahmen hätte. Der afrikanische Staat besitzt jede Menge Erdöl. Doch das Geld, so klagen Diplomaten, landet in den Taschen von Privatleuten. Zudem nutzt Präsident Slava Kiir die Einnahmen, um seine Streitkräfte aufzurüsten.

Seit mehr als drei Jahren steckt der Südsudan in einem Bürgerkrieg, der dadurch ausgelöst wurde, dass Kiir seinen Vizepräsidenten Riek Machar feuerte. Im innenpolitischen Machtkampf geht es um persönliche Abneigungen, um Einnahmen aus dem Ölgeschäft und ethnische Rivalitäten - Kiir ist Dinka, Machar gehört der Volksgruppe der Nuer an.

Die Gefechte haben rund drei Millionen Menschen in die Flucht getrieben, die landwirtschaftliche Produktion ist vielerorts zum Erliegen gekommen. Die Inflation betrug vergangenes Jahr 800 Prozent, was importierte Lebensmittel für viele Südsudanesen unerschwinglich gemacht hat.

Hungersnot ist menschengemacht

Die Politiker des jungen Staates, der erst 2011 vom Sudan unabhängig wurde, haben mit ihrem Verhalten der humanitären Katastrophe den Boden bereitet. Und diese hat sich noch einmal verschärft. "Eine Hungersnot ist nun die tragische Realität in Teilen des Südsudans, und unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet", erklärte am Montag Serge Tissot, der Länderbeauftragte der FAO, der Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation der UNO.

Die UNO spricht dann von einer Hungersnot, wenn 20 Prozent der Haushalte in einer Region unter Lebensmittelknappheit leiden, die Unterernährungsrate 30 Prozent übersteigt und von 10.000 Menschen täglich mindestens zwei an Hunger sterben. Das ist nun in Teilen des Südsudans der Fall. Mehr als 100.000 Einwohner seien betroffen, gab die UNO bekannt.

"Diese Hungersnot ist menschengemacht", betonte Joyce Luma vom UN-Welternährungsprogramm. Verschiedene humanitäre Organisationen hätten zwar einen riesengroßen Hilfseinsatz organisiert. Doch man habe immer wieder gewarnt, dass die schlechte Sicherheitslage - sowohl für die Helfer als auch für die Bevölkerung - Hilfe teilweise unmöglich machen würde.

Im Südsudan wurden Lebensmittellager geplündert und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen getötet. Lufttransporte können teilweise nicht durchgeführt werden, weil die Gefahr besteht, dass die Helikopter und Flugzeuge beschossen werden. Außerdem kämpfen die internationalen Helfer mit der maroden Infrastruktur: In dem Land, das etwa doppelt so groß ist wie Deutschland, gibt es nur 200 Kilometer asphaltierte Straßen.

Die internationale Hilfsgemeinschaft will trotzdem weiter mit aller Kraft gegen die Hungersnot ankämpfen. Dass der Machtkampf im Südsudan bald ein Ende nimmt, scheint aber unwahrscheinlich. Erst kürzlich ist ein Minister zurückgetreten und hat seine Loyalität gegenüber den Rebellen erklärt.