Ortswechsel: im Care-Jugend-Gesundheitszentrum führt die Krankenschwester Beatrice Ojwang HIV-Schnelltests durch. "Du hast den Status nicht", teilt sie James, 27, mit. Dieser verlässt, ohne mit der Wimper zu zucken, das Arztzimmer: "Schick‘ deine Freunde vorbei", ruft ihm Ojwang noch hinterher.

"Male Champions" propagieren die neue Männlichkeit

Wie immer lautet die Devise: Ohne die Männer geht nichts. "Dreimal in der Woche koche ich, am liebsten gebackenen Fisch", erzählt Joab Oluoch, der gerade eine Ausbildung zum "Männlichen Champion" durchläuft. Diesen Titel tragen 30 Männer in der Community, der Oluoch steht kurz vor dem Abschluss. Der 32-Jährige lernte kochen – und Spott und Häme einstecken: Sein Umfeld habe sich anfangs sehr besorgt gezeigt, warum er zu all diesen Treffen mit Frauen gehe. "Heute bin ich ein Anderer", sagt Oluoch.

"Frauen sind bereit, sich den Problemen des Landes anzunehmen. Doch ohne die Männer können sie nichts tun", sagt Tom Henry Onyango. Der 43-Jährige "männliche Champion" missioniert seine Geschlechtsgenossen, indem er ihnen erzählt, wie sich seine Beziehung seit seiner Wandlung zum sorgsamen Familienvater verbessert hat: Wenn er Teller abwäscht und sich um die Kinder kümmert, während seine Frau im HIV-Zentrum arbeitet, sei seine Frau weniger müde und ausgeglichener, sagt er. Seine Letztgeborene, die 3-jährige Joy, war das erste seiner Kinder, das er zum Arzt brachte.

"Das ist nicht einfach für einen Mann. Die Menschen schauen komisch, wenn ein Mann sein Kind zum Arzt bringt", sagt der fünffache Familienvater. Buben und Männern ist sogar untersagt, die Küche zu betreten. Tun sie es dennoch, können sie beim "Rat der Älteren" denunziert werden. "Unser Stamm, die Lou, sind der Überzeugung, dass Haushalt und Kindererziehung keine Arbeit für Männer sind", erklärt Onyago. Seine Familie hebt sich ab. Gibt es in seinem Haushalt also zwei Familienoberhäupter? "Nein", stellt Onyago klar, "das Familienoberhaupt bin ich."