Tokio. (ce) Angesichts der Hungerkrise in Nordkorea sind Nahrungsmittelimporte dringend nötig, fordert ein UN-Bericht. Doch wegen der anhaltenden Raketentests ist die Spendenbereitschaft auf ein Rekordtief gesunken. Die Lage sei ernst, warnt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Die FAO schätzt, dass die Produktion von Weizen, Erdäpfeln und anderen Sommerfeldfrüchten wegen des Wassermangels im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Drittel zurückgegangen ist. Auch für die Herbsternte sehe es schlecht aus. Da die Pflanzsaison bereits vorbei ist, kämen eventuelle Regenfälle im Sommer zu spät, heißt es in dem Bericht weiter. Für mindestens drei Monate sei das Land nun dringend auf Nahrungsmittelimporte angewiesen, so die FAO. Außerdem seien Maßnahmen zur Verbesserung der Bewässerungsinfrastruktur unabdingbar, um das Land besser gegen ungünstige Witterungsbedingungen zu wappnen.

Doch sowohl die bilateralen Hilfsprogramme als auch die Spenden an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen seien in Folge der Sanktionen stark zurückgegangen, warnt die Organisation in ihrem Bericht.

Immer wieder haben in den letzten Jahren Dürren und Überschwemmungen der Landwirtschaft in Nordkorea schwere Schäden zugefügt. Die Ernährungskrise ist längst chronisch. Bereits vor einigen Monaten hatte die UNO Alarm geschlagen, dass 41 Prozent der Bevölkerung unterernährt seien. Im vergangenen Jahr hatten südkoreanische Medien berichtet, die täglichen Rationen seien auf 360 Gramm pro Person reduziert worden. Die UNO empfiehlt dagegen mindestens 600 Gramm. Sogar die Soldaten hungern.

Jüngste Berichte von nordkoreanischen Informanten lassen erahnen, wie dramatisch die Lage bereits ist. Während die Militärzugehörigkeit in der selbst ernannten Atommacht einst eine Garantie für eine gute Nahrungsmittelversorgung war, seien nun abgemagerte und mangelernährte Soldaten die neue Norm, berichtet das japanische Reporternetzwerk Asiapress unter Berufung auf Informanten vor Ort, die mit Hilfe chinesischer Mobiltelefone regelmäßig Bericht erstatten.

"Sogar die Grenzsoldaten sind geschwächt", berichtet ein Informant aus dem Norden des Landes. "Sie leihen sich Essen von Anwohnern, aber da sie nie etwas zurückgeben können, gibt es oft großen Ärger", so der Informant weiter. Besorgte Eltern würden regelmäßig Lebensmittel bei Anwohnern in der Umgebung abliefern, damit ihre Kinder sich dort etwas zu essen besorgen können, wenn sie in der Armee der Hunger plagt.

Mittlerweile spricht selbst die staatliche Propagandamaschine von der "schlimmsten Dürre aller Zeiten". Vor wenigen Wochen erschien in der "Rodong Shinmun" ein Artikel, in dem ein hochrangiger Parteifunktionär nach einem Besuch der Dürregebiete in Nordkoreas wichtigstem Getreideanbaugebiet mehr ideologische Erziehung forderte, damit die Bevölkerung die Kampagne zur Bekämpfung der schlimmsten Dürre erfolgreich umsetzen könne.

Obwohl die Lage sehr ernst sei, gehen Experten davon aus, dass sich die katastrophale Hungersnot der 1990er Jahre nicht wiederholen wird. Damals waren hunderttausende Menschen verhungert, bevor die UNO ein massives Hilfsprogramm startete.

Seither hat die kommunistische Diktatur ihre Wirtschaft schrittweise reformiert, sodass die Bauern heute mehr von ihrer Produktion für sich behalten dürfen, weshalb Beobachter hoffen, dass sich mehr Menschen selbst helfen können. Zumindest vorübergehend. Ein Ersatz für ausländische Hilfsleistungen ist das aber wohl nicht.