Bondo/Wien. Ein riesiger Bergsturz im Schweizer Kanton Graubünden hat entgegen ersten Meldungen möglicherweise doch Todesopfer gefordert. Sechs Personen wurden von Angehörigen als vermisst gemeldet. Gesucht wurde nach acht Menschen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Bei den Österreichern handelt es sich um ein Ehepaar, das bis zum späten Nachmittag nicht gefunden werden konnte. Bekannt ist, dass die meisten von ihnen zum Zeitpunkt des Unglücks eine Wanderung unternommen hatten.

Am 3369 Meter hohen Piz Cengalo hinter dem Bergdorf Bondo hatten sich enorme Gesteinsmassen gelöst und waren ins Tal gedonnert. Dabei sind nach Schätzungen bis zu vier Millionen Kubikmeter Geschiebe mit Schlamm mit größeren Gesteinsbrocken nachgerutscht. Zuletzt waren noch eine Million Kubikmeter Geschiebe in Bewegung, die graue Masse schob sich direkt an dem Ort vorbei.

Verletzt wurde in Bondo niemand, weil ein Alarmsystem rechtzeitig vor dem Murenabgang gewarnt hatte. Zwölf Objekte (Ställe und Almhütten) wurden zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen. Die Schuttkegel sind bis zu zehn Meter hoch.

Aus der Val Bondasca wurden einige Personen mit Helikoptern aus dem Gefahrengebiet ausgeflogen. Die Suche nach Vermissten war aufgrund neuer Erkenntnisse in der Nacht auf Donnerstag intensiviert worden.

Die Einwohner des 200-Seelen-Ortes dürfen bis auf Weiteres nicht in ihre Häuser zurückkehren. Experten schlossen weitere kleinere Felsstürze im Seitental Val Bondasca nicht aus. Die Hauptstraße durch das Tal blieb vorerst gesperrt. Die Fahrbahn war sowohl unterspült als auch überspült worden, ist beschädigt und stellenweise verschüttet.

Gefahr war bekannt


Die Bergsturzgefahr am Piz Cengalo ist seit langem bekannt. Das Gebiet wird seit Jahren vom kantonalen Amt für Wald- und Naturgefahren überwacht. Bei einer Messung Ende Juli hatten Geologen laut einem Medienbericht massiv erhöhte Felsbewegungen festgestellt. Vergangene Woche war dann offenbar ein Betretungsverbot für "Maiensässe" - eine Sonderform der Alm - im gefährdeten Gebiet ausgesprochen worden. Bondo liegt an der Grenze zu Italien, rund 35 Kilometer südwestlich von St. Moritz. Das Val Bondesca ist ein nach einem es durchfließenden Fluss benanntes Tal. Wanderungen versprechen spektakuläre Ausblicke.