London. (wak) Der im Mittelpunkt des Sex-Skandals bei Oxfam stehende Belgier hat laut der Hilfsorganisation zugegeben, Prostituierte in seine von Oxfam gemieteten Unterkunft bestellt zu haben. Oxfam veröffentlichte am Montag einen Bericht aus dem Jahr 2011, wonach Roland van Hauwermeiren damals bei einer internen Untersuchung einräumte, Prostituierte für Sex bezahlt zu haben, und dann vor Abschluss der Untersuchungen zurückgetreten ist. Der Regionaldirektor von Oxfam für Lateinamerika und die Karibik, Simon Ticehurst, sprach mittlerweil am Montag der "haitianischen Regierung und der haitianischen Bevölkerung unsere Scham und unsere Entschuldigungen aus".

"Im Interview hat der Landesdirektor zugegeben, Prostituierte in seine Oxfam-Unterkunft bestellt zu haben", heißt es in dem nun veröffentlichen Bericht. Daraus geht zudem hervor, dass drei Oxfam-Mitarbeiter einen Zeugen körperlich bedrohten, als mutmaßliches sexuelles Fehlverhalten nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 untersucht werden sollte.

Der Belgier Hauwermeiren war im Tschad und anschließend in Haiti Landesdirektor der Hilfsorganisation Oxfam. Nachdem die Vorwürfe intern bekannt wurden, trat er von seinem Posten zurück. Auch zwei andere Mitarbeiter kündigten und kamen damit einer Entlassung zuvor. Vier weitere Mitarbeiter wurden nach Angaben von Oxfam wegen groben Fehlverhaltens entlassen.

Hauwermeiren arbeitete danach laut "Times" für die französische Hilfsorganisation Action Against Hunger als Landesdirektor in Bangladesch. Und bevor er noch für Oxfam tätig war, hatte Hauwermeiren für eine Hilfsorganisation namens Merlin in Liberia gearbeitet. Dort war er aber 2004 zum Rücktritt gezwungen worden: Laut der Webseite für NGO-Nachrichten "Irin" war schon damals gegen Hauwermeiren wegen "Sexparties mit lokalen Frauen" eine Untersuchung in Gang gesetzt worden. Die NGO Merlin zeichnete sich für ärztliche Katastrophenhilfe verantwortlich. Sie ist inzwischen mit der NGO Save the Children zusammengeschlossen worden.

Eine Person, die damals die Untersuchung bei Merlin geleitet habe, erklärte gegenüber "Irin", dass die sexuelle Ausbeutung bei Hilfsorganisationen auch heute noch ein enormes Problem darstelle. Die jüngsten Entdeckungen seien nur "die Spitze des Eisberges", sagte diese Person und beklagte fehlende zentrale Aufsicht wie Zertifizierungsbehörden im NGO-Sektor.

Neue Anstellung haarsträubend


Die Hilfsorganisationen ihrerseits befänden sich im Zwiespalt, weil sie ihren Ruf schützen wollen. Laut dem ehemaligen Merlin-Manager sei es haarsträubend, dass Hauwermeiren nach Liberia eine erneute Anstellung im NGO-Sektor - Oxfam - gefunden habe. Hauwermeiren war übrigens nicht der Einzige in Liberia, gegen den ermittelt wurde - drei weitere Manager mussten ihren Hut nehmen. Welche Arbeit sie heute nachgehen, ist nicht bekannt. Eine ehemalige Mitarbeiterin von Hauwermeiren in Liberia, die heute für die schwedische Entwicklungshilfe arbeitet, Amira Malik Mille, zeigte das Verhalten Hauwermeirens und einiger seiner Mitstreiter damals bei der Organisation an. Während Hauwermeiren gehen musste, konnten andere weiterarbeiten. Sie erinnert sich an eine Kultur der Selbstgefälligkeit, die es Männern, die für augenscheinlich wohltätige Zwecke arbeiten, erlaube, diese Art von Benehmen mehr oder weniger offen zur Schau zu stellen.