"Fatah ist Mafia", sagt Munnah, eine kleine Frau aus der Nachbarschaft, die nun auf der Couch Platz nimmt. Sie ist Libanesin, ihr Mann Palästinenser. "Politische Gruppen wie die Fatah machen nur Schwierigkeiten", so Munnah. Sie tragen Waffen und handeln mit Drogen. "Wären diese Organisationen nicht hier, wäre die Situation im Camp besser." Mohammad nickt. "Im Camp ist es gefährlich, man braucht eine Waffe, oder jemanden, der auf einen aufpasst." Wer auf sie aufpasse? "Wir vertrauen auf Gott."

Dass die Regierung die Verwaltung der Lager Gruppen wie der Fatah überlässt, geht auf einen Vertrag der libanesischen Regierung mit der PLO von 1969 zurück. Völlig unbeachtet von der Regierung sind die Camps aber dennoch nicht. Der libanesische Militärgeheimdienst kooperiert etwa mit Fatah, um radikale Bewegungen in den Camps zu beobachten und zu kontrollieren. Laut Kazem Hassan gebe es keine salafistischen oder dschihadistischen Gruppen in Shatila. In anderen Camps wie etwa Ain al-Hilweh sind diese Gruppen stark vertreten. Doch auch dort setzt die libanesische Regierung auf Begrenzung. Solange die Gruppen nicht außerhalb der Camps agieren, greift das Militär nicht ein.

Gewalt und Radikalisierung sind letztendlich Ergebnis der Armut. "Es ist schwer, Jobs zu finden", sagt Mohammad. Durch die 1,5 Millionen Syrer im Land sei der Druck am Arbeitsmarkt noch größer geworden. Als Auslieferer verdiene er 400 US-Dollar im Monat. "Das reicht gerade für ein Leben im Camp, um mir das Leben außerhalb leisten zu können, bräuchte ich 1000 US-Dollar."

Von der Gasse dringt das Geschrei von Kindern herauf, die mit Plastik-MGs Krieg spielen. "Ich will hier weg, damit mein Sohn ein besseres Leben hat", sagt Mohammad. Palästina ist für ihn keine Option, er und seine Frau wollen nach Deutschland. Doch das Provisorische, das ihr Leben im Libanon bestimmt, hemmt den Versuch, irgendwo anders hinzugelangen. Anstatt eines Passes besitzen Mohammad und seine Frau nur ein Identitäts-Dokument. Mohammad zündet sich eine weitere Zigarette an. Versuchen wird er es trotzdem. "In Shatila habe ich keine Zukunft."