Mexiko-Stadt. (dpa) Im März beschloss die 40-Jährige, El Salvador mit ihren drei Kindern zu verlassen. Dass ihr in den USA Haft droht, macht ihr keine Angst. "Alles ist besser, als in dieses Land des Todes zurückzugehen", sagt die Frau, die nun in einem Auffanglager im mexikanischen Tijuana sitzt. Auf dem Schoß hält sie ihren zehn Monate alten Sohn. Die Null-Toleranz-Politik an der US-Grenze und deren Konsequenzen sind auch in den Notunterkünften im Norden des lateinamerikanischen Landes bekannt. Die Salvadorianerin will den Grenzübertritt trotzdem wagen.

"Drohungen gegen
meine Kinder"


In El Salvador sei sie von Mitgliedern der Jugendbande Maras bedroht worden, erklärt die Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte. "Es gab Drohungen gegen meine Kinder." Ein Mitglied der Mara 18 habe sie sexuell missbraucht. Als sie keinen Ausweg mehr sah, habe sie dem jüngsten Kind einen Pass besorgt und sich auf den Weg in Richtung USA gemacht.

Die mächtigen Banden sind in Drogenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt und beherrschen ganze Stadtviertel. Laut offiziellen Statistiken haben die Gangs mehr als 100.000 Mitglieder in ihren Reihen. "Wir konnten nirgends hin in El Salvador, sie hätten uns gefunden, sie haben überall Kontakte", sagt die Frau. Die Haft wegen des illegalen Übertritts in die USA sei das kleinere Übel. Sie gehe mit der Hoffnung, dass sie ihre Kinder bei sich behalten könne.

Für Juan Ramon Toldeo ist diese Hoffnung für immer zerstört. Der 62-Jährige ist Direktor der Allianz der Rückkehrer (Alsere). Er wurde 2014 nach mehr als 20 Jahren in den USA deportiert und hilft nun anderen Rückkehrern, ein Leben in El Salvador aufzubauen. Seine erwachsenen Kinder leben immer noch in den USA.

Er kennt das Dilemma seiner Landsleute. "Mein Rat ist im Moment: Geht nicht über die Grenze. Aber hier in El Salvador können sie auch nicht bleiben", sagt Toldeo. Es gebe dort keine Möglichkeiten für ein gutes Leben. "Die Banden rekrutieren die Kinder von den Straßen, in den Schulen."

Die Menschen, die sich auf den Weg in die USA machen, kennen die Risiken, sagt Toldeo. "Aber es kümmert sie nicht." Dass Flüchtlinge Kinder benutzen, um schneller über die Grenze zu kommen, glaubt er nicht. Auch im Auffanglager in Tijuana erklären die Migranten, solche Fälle bei ihren Reisen nicht erlebt zu haben. "Was sollen wir denn machen?", fragt eine Frau. "Die Kinder zurücklassen? Es ist zu gefährlich in den Ländern." Alle hoffen, in den USA die Möglichkeit zu bekommen, als Flüchtling anerkannt zu werden.