Addis Abeba. Bei einem Anschlag auf eine Kundgebung des reformorientierten äthiopischen Regierungschefs Abiy Ahmed sind mindestens zwei Menschen getötet und 156 Menschen verletzt worden. 44 Menschen befänden sich noch im Krankenhaus, fünf davon seien in einem kritischen Zustand, teilte Gesundheitsminister Amir Aman am Sonntag auf Facebook mit.

In einer im Sender ETV übertragenen Ansprache nannte Abiy die Explosion bei der Veranstaltung in der Hauptstadt Addis Abeba am Samstag einen "gut orchestrierten Anschlag".

Diejenigen, die dahinter steckten, würden verzweifelt versuchen, den Frieden zu stören, teilte die regierende Koalition EPRDF mit. Diese verwerfliche Tat werde die derzeitigen Reformen im Land aber nicht aufhalten.

Zu der Explosion kam es kurz nach Abiys Ansprache bei der Kundgebung. Jemand habe versucht, eine Granate in Richtung der Bühne zu werfen, auf der der Regierungschef saß, sagte Seyoum Teshome, einer der Veranstalter der Kundgebung, der Deutschen Presse-Agentur. Einige Menschen hätten die Person allerdings davon abhalten können. Abiy blieb unversehrt. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte die Tat als "Gewaltakt". Guterres habe mit tiefer Besorgnis über den Vorfall gehört und zeige sich mit den Bürger und der Regierung Äthiopiens solidarisch, teilte Guterres' Sprecher Stephane Dujarric mit.

Zehntausende Menschen hatten sich am Samstagmorgen auf einem zentralen Platz in der Hauptstadt versammelt, um den seit April amtierenden, reformorientierten Abiy zu unterstützen. Auch in anderen Städten Äthiopiens gab es Kundgebungen.

Seit seinem Amtsantritt hat Abiy mehrere Reformen in dem Staat am Horn von Afrika eingeleitet. Er verkündete unter anderem die Freilassung Hunderter Gefangener, suchte den Dialog mit der Opposition und hat Schritte unternommen, um einen jahrelangen Grenzkonflikt mit Nachbar Eritrea zu beenden.

Äthiopien mit seinen rund 100 Millionen Einwohnern wurde bisher mit harter Hand regiert. Trotz raschen Wirtschaftswachstums gehört Äthiopien UN-Statistiken zufolge noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt.