Wien. Man wollte "irgendetwas tun, sei es auch nur ein kleiner Tropfen, der in Richtung Friedensbemühungen geht" sagt der Wiener Ronny Böhmer. Gemeinsam mit seiner Frau Evelyn Böhmer-Läufer organisiert er seit 2004 das "Peacecamp", bei dem israelische und palästinensische Jugendliche in Österreich aufeinandertreffen. Böhmer-Läufer ist gelernte Psychotherapeutin und war selber 20 Jahre in der Friedensbewegung in Israel tätig. Die Idee zum Camp kam ihr 2000 zum Höhepunkt der zweiten Intifada. Während sich palästinensische Aufständische einen blutigen Kampf mit israelischen Soldaten lieferten, sollte ein Camp Jugendlichen von beiden Seiten ermöglichen, sich auf neutralem Boden besser kennenzulernen.

Das Konzept ging auf: Dieses Jahr fand das "Peacecamp" zum bereits 16. Mal statt. Eingeladen waren insgesamt 32 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren. Neben Palästinensern und Israelis waren auch Schüler aus Wien und Budapest dabei, sowie geflüchtete Teenager aus dem Iran und Syrien. Gefördert wird das Projekt großteils von der EU und privaten Spendern. Einen kleinen Betrag müssen die Teilnehmer selbst tragen.

Ausgewählt werden die Teilnehmer von den Schulen in ihren Heimatländern. Doch während israelische und palästinensische Schüler Schlange stehen würden, gestalte sich die Anwerbung in Österreich jedes Jahr schwierig, erzählt Böhmer. Man habe trotz vieler Bemühungen noch keine Schule gefunden, die bereit zur Kooperation sei.

"Wir sind jetzt eine Familie"


Im Juli im Camp angelangt, haben die Jugendlichen schnell zueinandergefunden. "Am Anfang ist jeder in seiner Delegation geblieben. Aber schon nach paar Tagen hat sich das geändert" erzählt die 16-jährige Yali. Sie kommt aus einem kleinen Kibbuz in Israel und hatte davor so gut wie nie Kontakt zu Palästinensern. "Wir sind jetzt mehr als Freunde, für mich sind wir eine Familie."

Ziel des zehntägigen Camps im niederösterreichischen Lackenhof war nichts Geringeres als eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie kann man Frieden in der Welt schaffen? In einer Reihe von Workshops sollten sich die Jugendlichen auf kreativ-lockere Art mit den Konflikten ihrer Heimatländer auseinandersetzen. Da viele traumatische Erlebnisse durchgemacht haben, die oft zur Sprache kommen, war auch ein Team von drei Psychologen mit dabei.

Höhepunkt und Abschluss des Camps bildete vergangene Woche eine "show4peace" im Wiener Theater "Dschungel". Die Bühne und die Gestaltung der Show war den Gruppen frei überlassen.