Zumindest die Hälfte der Einwohner Syriens ging vor sieben Jahren gegen Assad auf die Straße. Es waren seine eigenen Leute, die gegen ihn aufbegehrten, die nach Freiheit und Gerechtigkeit lechzten und ein Ende der Diktatur wollten. Erst nach und nach sickerten Terroristen ein. Die radikalsten kamen aus dem Irak und hießen Daesh.

Jordanien macht Grenze dicht


In Daraa aber konnten sie nie Fuß fassen. Dementsprechend richteten Russen und Iraner in einer ihrer Friedensinitiativen für Syrien eine sogenannte De-Eskalationszone in der Region Daraa ein, eine Schutzzone für Flüchtlinge. Was diese Zone wert ist, hat man in den letzten Wochen gesehen. Die Situation der Fliehenden war katastrophal. Sie wussten nicht wohin. Jordanien hat die Grenzen dicht gemacht, die Türkei ebenfalls. "Jordanien hat über Jahre hinweg eine enorme Zahl von Flüchtlingen aufgenommen", sagt Leibbrand, "vor den Syrern kamen die Iraker". Nun habe das Land jedoch erkennen müssen, dass das Boot voll sei. "In der aktuellen Krise um Daraa hat Jordanien keine Syrer mehr aufgenommen.

Auch die Grüne Grenze ist dicht. Es kommen kaum neue Flüchtlinge." Offiziell sind in Jordanien 700.000 syrische Flüchtlinge registriert, Schätzungen gehen allerdings von bis zu einer Million aus. Für ein Land, das selbst nur knapp neun Millionen Einwohner aufweist, ist dies eine ungeheure Herausforderung. Dass Jordanien nicht selbst in den Strudel des Terrors mit hineingerissen wurde, grenzt an ein Wunder, obwohl der IS im Januar 2015 einen jordanischen Piloten öffentlich bei lebendigem Leibe verbrannte und somit das Königreich herausforderte.

"Jordanien hat eine sehr starke Monarchie und ein ausgeprägtes Stammessystem", analysiert der Initiator des Traumakindergartens die Situation. Die islamistische Muslimbruderschaft sei seit Jahrzehnten in den politischen Prozess integriert. Kürzlich habe es Demonstrationen gegen zu hohe Steuern und Abgaben gegeben, die aber friedlich verlaufen seien. "Daraufhin setzte der König die Regierung ab und ernannte eine neue. So entstand der Eindruck, dass nicht der König Schuld an der Krise hat, sondern die Regierung, die relativ schnell ausgetauscht werden kann."

Wenn keine Flüchtlinge mehr kommen, stirbt dann der Kindergarten? "Im Gegenteil", kontert Leibbrand. "Wir haben uns auf die veränderte Situation eingestellt und nehmen nun Schulkinder auf. Die Kindergartenkinder, die wir vor fünf Jahren betreut haben und die extrem traumatisiert waren, gehen jetzt zur Schule, kommen nach Schulschluss zu uns und wir helfen ihnen mit Nachhilfeunterricht, Schulaufgaben zu machen, damit sie dem Unterricht besser folgen können." Teilweise hätten sie ihre Kriegstraumata überwunden und mittlerweile andere Probleme, wie beispielsweise Leben in einem zu engen Raum oder eben Probleme mit den schulischen Leistungen. "Wir haben derzeit etwa 110 Kinder, die wir betreuen. Außerdem kümmern wir uns um deren Mütter, bilden sie aus und helfen ihnen ein Einkommen zu finden."