Das Geschäft mit dem Hanf wollen die Behörden in den offiziellen Wirtschaftskreislauf integrieren. - © afp
Das Geschäft mit dem Hanf wollen die Behörden in den offiziellen Wirtschaftskreislauf integrieren. - © afp

Beirut. (afp) Unweit einer Straßensperre der Armee im Osten des Libanons erstrecken sich die Cannabisfelder, so weit das Auge reicht. Zwar ist der Anbau in dem Land verboten, doch viele Landwirte kümmern sich nicht darum. Seit Jahrzehnten versucht der Staat im Bekaa-Tal, den Hanfanbau in den Griff zu bekommen, doch weder Kampagnen zur Zerstörung der Felder noch Programme zur Förderung alternativer Feldfrüchte haben das lukrative Geschäft eindämmen können.

Nun erwägt das libanesische Parlament, den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken zu legalisieren - und bringt damit ausgerechnet die Hanfbauern gegen sich auf. Die Politik hofft, mit dieser Initiative der Drogenmafia in der Region an der Grenze zu Syrien den Boden zu entziehen und das Geschäft in den offiziellen Wirtschaftskreislauf zu integrieren.

Im Bekaa-Tal sehen viele Cannabisbauern die Pläne skeptisch. "Wir haben nicht grundsätzlich etwas gegen die Legalisierung. Aber sie muss vor allem den Landwirten zugutekommen", sagt der stellvertretende Bürgermeister der Ortschaft Al-Jammuneh, Hussein Schreif.

Viele Bauern fürchten, dass große Konzerne ihnen das Geschäft streitig machen und die Profite sinken werden, wenn der Staat eingreift. "Wenn ein Bauer seine Ernte an einen Drogenhändler verkauft, ist der Profit zehn Mal höher als seine Kosten", sagt Schreif. "Wenn der Staat beteiligt ist, werden die Profite nicht die gleichen sein."

Laut den Bauern von Al-Jammuneh gibt es keine andere Pflanze, die in dem trockenen Klima des Bekaa-Tals so gut wächst und so viel Profit abwirft. Der Hanf "wächst im Gebüsch, am Straßenrand und sogar auf dem Müllhaufen", erklärt ein Bauer.

Hoffnung auf Staatseinnahmen


In vielen Staaten ist der Einsatz von Cannabis zu therapeutischen Zwecken bereits erlaubt. Es wird in Medikamenten zur Behandlung von Epilepsie, bei Schmerzen und gegen Übelkeit bei Chemotherapien verwendet. Nach Afghanistan und Marokko ist der Libanon heute der größte Cannabisproduzent der Welt, wobei der Großteil der Produktion in die Nachbarländer Syrien, Jordanien, Ägypten, Israel, Türkei und Zypern geht.

Nach dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990, in dem der Anbau von Opium und Cannabis einen Boom erlebte, versuchten die Behörden, die Felder zu zerstören. Als dies nichts nützte, versuchte die UNO, den Weinanbau als alternative Einnahmequelle zu propagieren. Noch heute geht die Armee immer wieder mit Razzien gegen das Rauschgiftgeschäft vor - zuletzt im Juli, als acht Drogenhändler getötet wurden. Doch der Cannabisanbau blüht weiter.

Auf dessen Legalisierung setzen die Behörden daher mittlerweile. Die Einwohner von Al-Jammuneh wünschen sich, dass mit der Parlamentsinitiative auch eine Amnestie für die mehr als 30.000 Menschen verbunden sein wird, die im Libanon wegen Drogendelikten gesucht werden. Der Lokalpolitiker Dschamal Schreif fordert zudem, dass der Cannabisanbau auf die bisherigen Gebiete beschränkt bleibt, weil bei einer Ausweitung der Fläche ein Preisverfall drohe.

Das Parlament hofft, einer Empfehlung der Beratungsfirma McKinsey folgend, dass die Legalisierung des Cannabisanbaus dem Staat neue Einnahmen erschließt. Der Libanon ist hoch verschuldet und braucht dringend Geld. Doch Lokalpolitiker Dschamal Schreif fürchtet, dass die Einnahmen im korrupten Staatsapparat versickern werden. "Sie haben im Libanon alles gestohlen", sagt er. "Am Ende ist nur noch das Cannabis geblieben, und nun wollen sie uns auch das stehlen."