Herzogenaurach. (reuters) Eine Geste, die um die Welt ging und die 50 Jahre später immer noch Gemüter bewegt: Tommie Smith und sein ebenso afroamerikanischer Landsmann John Carlos reckten bei der Siegerehrung für das olympische 200-Meter-Rennen bei den Spielen 1968 in Mexiko die Faust, bedeckt mit einem schwarzen Handschuh, gen Himmel. Während sie später einen hohen Preis dafür bezahlten, wurden sie zum Symbol des Widerstands.

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Der heute 74-jährige Smith, Olympiasieger an jenem 16. Oktober 1968, und Carlos (Bronzegewinner) wurden später vom US-amerikanischen Olympia-Team suspendiert, erhielten Todesdrohungen und Hasspost. Smith, der dieser Tage im deutschen Herzogenaurach bei seinem damaligen Ausrüster "Puma" zu Gast war, kann die bis heute gültige Tragweite seines Einsatzes für Gleichbehandlung kaum glauben. "Ich wusste, dass es etwas bewirken wird, aber ich wusste nicht, wie weit das gehen würde", meinte Smith in einem Reuters-Interview.

"Ich habe mich berufen gefühlt, es zu tun. So viele Menschen waren im Kampf um Gleichberechtigung gestorben. Das war meine Chance. Ich hatte eine Plattform", erinnerte sich Smith.

Der Fall Kaepernick

Seit den Protesten gegen rassistisch motiviertes Unrecht in den USA von Quarterback Colin Kaepernick im August 2016, der eine Protest-Welle von weiteren Spielern nach sich zog, erinnern sich manche zurück an Smith und Carlos. Smith hat Kaepernick, der nun selbst geschmäht ist und in der National Football League (NFL) keinen Job mehr findet, vergangenes Jahr getroffen. Er glaubt, dass es für gewaltlosen Protest nun weit mehr Unterstützung gibt als noch 1968 und weist auf die Bewegungen "Black Lives matter" (Schwarze Leben zählen) und die #MeToo-Bewegung hin. Smith und Carlos waren nach ihrer Rückkehr aus Mexiko geächtet. Die Frau von Carlos beging Selbstmord, die erste Ehe von Smith ging in die Brüche und beide hatten jahrelang Probleme, ihr Leben zu finanzieren. "Ich habe mein Leben lang dafür bezahlt", meinte Smith, der auch den ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama getroffen hat. Dessen Nachfolger, Donald Trump, hatte die Protestbekundungen von Kaepernick und Co. verdammt, die während der US-Hymne knieten, und bezweifelte deren Patriotismus. Zur aktuellen Politik wollte Smith nichts sagen, außer: "Du musst das Gute mit dem Bösen nehmen."

Australier Norman solidarisch

Trotz all seiner Opfer, die er erbracht hat, bereut Smith nur wenig. "Ohne einem Opfer kann es keine Vorwärtsbewegung geben. Du musst etwas aufgeben, bevor du etwas erhältst, und meistens ist dieses Etwas viel besser", sagte Smith, der später als Lehrer auf akademischer Seite etwas weitergeben konnte. "Das macht mich stolz." Der Olympiasieger von 1968 ist immer noch in guter Form und geht zweimal am Tag ins Fitness-Studio. Er und der 73-jährige Carlos sind mittlerweile in der Leichtathletik-Ruhmeshalle in den USA aufgenommen.

Weniger bekannt: Auch der zweitplatzierte Peter Norman, ein Weißer aus Australien, hatte seine Solidarität mit dem Tragen eines Badges für das "Olympische Projekt für Menschenrechte" (OPHR) gezeigt. Im damals ebenfalls noch von Rassentrennung geprägten Australien war auch Norman geächtet. Trotz mehrfach erbrachter Qualifikations-Normen durfte er zum Beispiel 1972 nicht mehr zu Olympia reisen. Erst im Jahr 2012, sechs Jahre nach dem Tod Normans, dessen Sarg von Smith und Carlos getragen worden war, gab es im Australischen Parlament eine offizielle Entschuldigung an Norman - die dann vom Australischen Olympischen Komitee gleich angefochten wurde.