Palu. (reuters/red) Auch Tage nach dem schweren Erdbeben und Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi ist das Ausmaß der Katastrophe immer noch nicht klar. Die Behörden befürchteten, dass tausende Menschen ums Leben gekommen sein könnten. Offiziell wurde die Totenzahl am Montag auf 844 angehoben, nachdem die Leichen von 34 Kindern, die an einem Bibelcamp teilgenommen hatten, aus Trümmern geborgen worden waren. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich chaotisch. Nur nach und nach traf schweres Gerät ein. Die Regierung erklärte sich inzwischen bereit, Hilfe aus dem Ausland anzunehmen. Unter anderem Thailand und Australien haben Hilfe angeboten.

Fieberhaft wurde versucht, das von zahlreichen Nachbeben erschütterte Katastrophengebiet, in dem 1,4 Millionen Menschen wohnen, zu evakuieren oder zumindest die Versorgung aus der Luft in den Gang zu bekommen. Teile der Insel waren wegen zerstörter Straßen von der Außenwelt abgeschnitten. In der von der Katastrophe besonders betroffenen Großstadt Palu wurde ein Massengrab ausgehoben, in dem Tote nach Feststellung ihrer Identität beigesetzt werden sollten.

An Tankstellen bildeten sich kilometerlange Schlangen. Für Palu bestimmte Konvois mit äußerst dringend benötigten Lebensmitteln, Trinkwasser und Benzin warteten auf Polizeieskorten, die sie vor Überfällen schützen sollten. Am Flughafen der Stadt mit ihren etwa 380.000 Einwohnern drängten sich Massen, um an Bord einer der Militärmaschinen zu gelangen, die die Menschen ausflogen.

In einem Stadtteil Palus, in dem etwa 1700 Häuser vom Erdboden verschluckt wurden, als die Erde am Freitag zu beben begann, wurde nach Angaben eines Sprechers der Katastrophenschutzbehörde eine Frau in der Nacht lebend aus den Ruinen gezogen. "Wir wissen nicht, wie viele Opfer hier begraben sein könnten. Geschätzt sind es Hunderte." Besonders besorgniserregend war die Lage in der nördlich von Palu gelegenen Region Donggala, wo 300.000 Menschen leben, sowie in zwei weiteren Bezirken unweit des Epizentrums, in denen die Kommunikation zusammengebrochen war.

Kritik an den Behörden

Evakuierung aus der Tsunami-Zone. - © reuters/Athit Perawongmetha
Evakuierung aus der Tsunami-Zone. - © reuters/Athit Perawongmetha

Gleichzeitig wuchs die Kritik an den Behörden, sie hätten nicht rechtzeitig und ausreichend vor dem Tsunami gewarnt. Der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde sagte, sämtliche Tsunami-Warngeräte Indonesiens funktionierten seit 2012 nicht mehr, da die Gelder nicht reichten.

Ein indonesischer Soldat trägt am Flughafen Makassar eine Frau, die gerade aus dem von einem Erdbeben samt Tsunami heimgesuchten Ort Palu auf der Insel Sulawesi evakuiert wurde. - © reuters/Antara Foto/Sahrul Manda Tikupadang
Ein indonesischer Soldat trägt am Flughafen Makassar eine Frau, die gerade aus dem von einem Erdbeben samt Tsunami heimgesuchten Ort Palu auf der Insel Sulawesi evakuiert wurde. - © reuters/Antara Foto/Sahrul Manda Tikupadang

Eine Sprecherin des Potsdamer Geoforschungszentrums sagte dagegen, das Tsunami-Warnsystem habe fünf Minuten nach dem Erdbeben vor einem Tsunami gewarnt. Danach habe es ein Zeitfenster von 20 Minuten bis zum Auftreffen der Monsterwelle auf das Festland gegeben. Warum in dieser Zeit keine Warnung von den indonesischen Behörden herausgegeben worden sei, könne sie nicht sagen. Das Geoforschungszentrum habe das Tsunami-Warnsystem 2012 indonesischen Behörden übergeben. In Potsdam habe man verfolgen können, wann das System Tsunami-Alarm gegeben habe.

Inzwischen ist die internationale Hilfe voll angelaufen: "In der Katastrophenhilfe erfahrene Einsatzteams der Caritas Indonesien sind schon ins betroffene Gebiet unterwegs, um mit Soforthilfe zu beginnen. Es ist entscheidend, dass jetzt rasch die richtigen Maßnahmen gesetzt werden. Es geht um medizinische Versorgung und vor allem darum, Notunterkünfte zur Verfügung zu stellen. Wir wissen von massiven Zerstörungen, zu befürchten ist, dass hunderttausende Menschen betroffen sind", sagt Caritas Österreich Auslandshilfechef Christoph Schweifer.

Die Hilfsorganisation Care entsendet ein Nothilfeteam in das Katastrophengebiet, wo tausende Menschen nach dem Tsunami auf Erstversorgung warten. Care startet Nothilfeprogramme für 70.000 Menschen in der betroffenen Region Donggala: "Unsere Nothilfeteams sind aktuell dabei, die Schäden zu ermitteln. Die Gegend ist sehr dicht besiedelt und entsprechend viele Leute sind betroffen. Es könnte im schlimmsten Fall an die Auswirkungen des Tsunamis von 2004 herankommen, der wirklich katastrophal für das Land war", so Helen Vanwel, Länderdirektorin von Care Indonesien. Auch die in Indonesien tätigen SOS-Kinderdörfer beteiligen sich an den Nothilfemaßnahmen. Ärzte ohne Grenzen sowie das Rote Kreuz sind ebenfalls im Krisengebiet aktiv, alle Hilfsorganisationen bitten um Spenden zur Unterstützung der Hilfsmaßnahmen.