Wien/Vatikan. In Rom wird gerade intensiv am Schlussdokument der ersten Jugendsynode gearbeitet. Einer der mehr als 350 Teilnehmer der Bischofsversammlung, die seit 3. Oktober läuft und am Sonntag endet, ist der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky, den die "Wiener Zeitung" am Rande der Synode zu seinen Eindrücken befragen konnte.

"Wiener Zeitung": Herr Weihbischof, wie kann man sich den Ablauf einer Bischofssynode vorstellen?

Stephan Turnovszky: In der Synode gibt es zweierlei Arbeitsweisen, die einander abwechseln: Beratungen im Plenum aller rund 350 Teilnehmer und in Sprachgruppen. Die deutschsprachige Gruppe ist darunter übrigens die kleinste. Das bietet den Vorteil, dass wir sehr intensiv sprechen können, hat aber auch den Nachteil, dass wir nur auf einen kleinen Flecken in Mitteleuropa blicken. Da haben andere Sprachgruppen wesentlich mehr Internationalität und globale Perspektive.

Päpstliche Genesungswünsche für einen jugendlichen Teilnehmer der Synode, die am 3. Oktober begonnen hat. - © Reuters/Alessandro Bianchi
Päpstliche Genesungswünsche für einen jugendlichen Teilnehmer der Synode, die am 3. Oktober begonnen hat. - © Reuters/Alessandro Bianchi

Mit wem haben Sie und Kardinal Christoph Schönborn sich auf der Synode besonders austauschen können?

Den Kontakt mit der eigenen Sprachgruppe erlebe ich am intensivsten, also mit den Bischöfen und anderen Teilnehmern aus Deutschland und der Schweiz, sowie dem Bischof von Pilsen, der auch in unserer Sprachgruppe ist. Kardinal Schönborn ist international derart bekannt, dass er mit sehr vielen Teilnehmern vernetzt ist. In den Pausen gibt es immer nette Begegnungen, auch mit den jungen Auditoren, die ich besonders schätze. Darauf weist auch der volle Wortlaut des Synodenthemas hin: "Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung." Es gibt bei der Synode auch viele Vertreter der christlichen Ökumene.

Im Vorfeld wurden ja mehrere große Themen für diese Synode genannt. Zugleich gab es die Befürchtung, der Missbrauch könnte alles andere überschatten. Ist es aus Ihrer Sicht gelungen, dafür zu sorgen, dass da nichts zu kurz kommt?

Das Missbrauchsthema ist präsent, verdrängt aber nicht die Fülle der anstehenden Themen. Die Wortmeldungen der Teilnehmer sind sehr unterschiedlich, je nachdem, woher die Sprecher kommen. Afrikaner sprechen vor allem über Armut und Bildung, Südamerikaner viel über Sekten, aus dem Nahen Osten und Pakistan hört man über die Nöte einer christlichen Minderheit, sonst aus Asien viel Zuversicht, aus vielen Ländern aber über Schwierigkeiten mit der Weitergabe des Glaubens an die Jugend. Migration, Internet, Sexualmoral, Frauen in der Kirche, die Bedeutung der persönlichen Christus-Beziehung kommt durch die meisten zur Sprache. Die jugendlichen Hörerinnen und Hörer bei der Synode betonen, dass es jungen Menschen wichtig ist, in der Kirche mit ihren Anliegen Gehör zu finden und sie mitgestalten zu können.