Biden ist ein Profi. - © afp/Getty
Biden ist ein Profi. - © afp/Getty

Washington. (wak) Nach einer Wahl ist immer vor einer Wahl. Besonders im Falle der USA. Und nach den Midterm-Wahlen kommt, wie das Amen im Gebet, die Präsidentschaftswahl. Bei den Republikanern flirtet Donald Trump mit dem erneuten Antreten 2020. Mit gutem Grund: Viele US-Präsidenten werden für eine konsekutive Amtszeit gewählt. Noch hat Trump zwar keine definitiven Versprechungen gemacht, aber zumindest zuletzt vor Journalisten seinen Vize Mike Pence gefragt, ob denn er, Pence, 2020 wieder mit ihm, Trump antritt.

Bei den Demokraten hingegen ist das Feld nicht so klar. Der Wahlgang am Dienstag und die Wahlkampfveranstaltungen im Vorfeld haben ein doch paar Jungstars hervorgebracht und ein paar Altstars erneut bestätigt.

Sanders mobilisiert. - © afp/Getty
Sanders mobilisiert. - © afp/Getty

Unbestrittener Altstar Nummer eins ist und bleibt Joe Biden. Barack Obamas Vize ist regelmäßig in Umfragen an erster Stelle, wenn Wähler gefragt werden, wer denn von den Demokraten 2020 antreten soll. Biden erklärte selbst, der einzige Grund, weshalb er nicht schon 2016 angetreten ist, war der Tod seines Sohnes Beau. Für 2020 spielt Biden nun offen mit der Idee anzutreten. Ihm wird zugetraut, einerseits die Obama-Fans zu mobilisieren und andererseits auch weiße Arbeiterschichten anzusprechen, die sich zuletzt bei der "America First"-Politik von Trump besser aufgehoben gefühlt haben. Biden gibt sich betont volksnahe. Er thematisiert gerne seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie und ist damit ein Kontrast zu elitär empfundenen Parteifreunden.

Alte Hasen wollen es wissen

Warren kann mit allen. - © afp
Warren kann mit allen. - © afp

Biden hat für die Demokraten bei den Midterms auch bei weitem die meisten Spenden eingesammelt, er ist extrem beliebt und unermüdlich. Das Problem Bidens ist einerseits sein Alter - er ist bereits 75 - und die Tatsache, dass er schon als Establishment gilt. Er sieht auf acht Jahre als Vizepräsident zurück und davor diente er Jahrzehnte als Senator von Delaware.

Das Alter ist auch bei einem anderen Kandidaten ein Problem: Bernie Sanders, zwar ein Unabhängiger, doch jemand, der noch immer mit einer Kandidatur für die Demokraten liebäugelt. Doch er wäre am Inaugurationstag 79 Jahre alt. Viele Demokraten trauern aber noch immer Sanders hinterher, der für sie bei der Präsidentschaftswahl 2016 eine leidenschaftlichere Wahl gewesen wäre als die pragmatische Entscheidung Hillary Clinton, die letztlich gegen Donald Trump verlor.

Harris begeistert. - © reuters
Harris begeistert. - © reuters

Auch mit Elizabeth Warren darf 2020 gerechnet werden. Viele trauten der liberalen Senatorin aus Massachusetts schon eine Kandidatur 2016 zu. Ihr Profil hat sie inzwischen weiter geschärft, ihre Reden gegen das Großkapital sind mitreißend - und sie flirtet mit ethnischen Minderheiten, indem sie zuletzt ihre DNS-Tests publik gemacht hat. Die blonde und blauäugige Warren hatte immer wieder betont, dass sie Wurzeln in der Native-American-Community hat, wurde deswegen von Trump als "Pocahontas" verunglimpft - aber Warren lieferte vergangenes Monat den Beweis mit ihrem Test. Die 69-jährige Warren könnte der Kompromiss zwischen demokratischer Basis und linksliberalem Flügel sein.

Entdeckungen im Wahlkampf

O’Rourke überraschte. - © afp
O’Rourke überraschte. - © afp

Ganz neu auf der nationalen Bühne ist Kamala Harris. Die afroamerikanische Demokratin sitzt seit 2017 für Kalifornien im Senat. Die 54-jährige ehemalige Staatsanwältin gilt als progressiv und beliebt. Ihre Wahlkampfauftritte für demokratische Kollegen bei den Midterms zogen Vergleiche mit Barack Obama nach sich.

Als aufstrebende Hoffnung gilt ebenfalls Beto O’Rourke. Der Kongressabgeordnete in Texas hat beinahe Ted Cruz im Rennen um einen Senatorensitz geschlagen. Manche sehen in O’Rourke deswegen einen Verlierer, doch andere heben hervor, dass es im erzkonservativen Texas schon eine Leistung ist, einen Republikaner beinahe zu schlagen - vor allem, nachdem O’Rourke sich nicht moderat, sondern dezidiert linksliberal präsentierte.

Bloomberg hasst Trump. - © afp
Bloomberg hasst Trump. - © afp

Zudem sagen seine Fans, nun hätte er wenigstens genug Zeit, sich auf den Präsidentenwahlkampf vorzubereiten und müsste sich nicht nebenher mit Senats-Arbeit herumschlagen.

Manche Beobachter rechnen auch mit Michael Bloomberg, Milliardär und Ex-Bürgermeister von New York. Der 76-jährige Bloomberg zählt sich seit 2018 wieder zur demokratischen Partei. Davor war Bloomberg bei der republikanischen Partei und später ein sogenannter Unabhängiger. Bloomberg hasst Donald Trump und hat sich wohl auch wegen dessen Präsidentschaft als Mäzen bei den Midterms einen Namen gemacht. Er hat viele der erfolgreichen Kandidaten der Demokraten mit Spenden unterstützt und gilt als sicherer Königsmacher. 2020 könnte er sich selbst zum König krönen.