Hodeidha/Washington. (red) Im Jemen tobt eine Schlacht, die bereits mit der um Aleppo im syrischen Bürgerkrieg verglichen wird: Gekämpft wird um die strategisch wichtige Hafenstadt Hodeidah. Sie wird von schiitischen Houthi-Rebellen gegen Regierungstruppen verteidigt, seit Sonntag sind bei den Gefechten mehr als 150 Menschen getötet worden.

Die Verteidiger leisten erbitterten Widerstand. Zuletzt lieferten sie sich heftige Straßenkämpfe in einem Wohnviertel im Osten der Stadt. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz, die die Regierungstruppen unterstützt, flog unzählige Luftangriffe.

Am Donnerstag waren die Regierungstruppen erstmals ins Stadtgebiet von Hodeidah vorgedrungen. Am Freitag nahmen sie das größte Krankenhaus der Stadt ein, das sich im Osten der Stadt befindet. Danach bewegten sich die Angreifer weiter in Richtung Hafen. Dort werden die meisten Importe und internationalen Hilfslieferungen für den Jemen umgeschlagen.

USA fordern Waffenpause

Das saudische Militärengagement im Jemen stößt seit dem Mord an dem kritischen Journalisten Jamal Kashoggi wieder stärker auf Kritik. Denn Riad führt in dem bitterarmen Land einen Krieg ohne Gnade. Saudische Verbände haben in den letzten Jahren mehr als 18.000 Luftangriffe geführt - und das mit den modernsten und teuersten Kampfjets, die derzeit zur Verfügung stehen.

Seit Monaten warnt die UNO vor einer fürchterlichen Hungerkrise in dem öllosen und daher bitterarmen Land. Demnach sind 14 Millionen Menschen vom Tod bedroht. In der Hauptstadt Sanaa sind die Straßen voller Bettler, am Land sind ganze Regionen ohne Zugang zu Nahrung. Die sanitären Verhältnisse sind katastrophal - kein Wunder, dass immer wieder Choleraepidemien ausbrechen.

Die Lage, die ohnehin schon mehr als verzweifelt ist, verschlechtert sich durch die jüngste Offensive weiter. Denn Hodeidah ist ein Nadelöhr, der wichtigste Hafen, über den noch Hilfsgüter und Lebensmittel in den Norden des Landes kommen. Die Kesselschlacht droht diesen Versorgungsweg abzusperren.

Nun haben sich die USA eher halbherzig dazu entschlossen, das drohende Fiasko aufzuhalten. Washington fordert eine Feuerpause in den kommenden Tagen. Der Westen ist massiv in den Krieg verstrickt, weil er Waffen an die Saudis liefert und logistische Hilfe leistet. Nach Bekanntwerden des Mordes an Kashoggi wollen die USA zur Strafe offenbar nicht mehr saudische Kampfjets in der Luft betanken. Man habe jetzt die eigenen Fähigkeiten bei der Luftbetankung gesteigert und selbst einen Stopp der Unterstützung beantragt, hieß es dazu offiziell aus Riad.

Was nichts daran ändert, dass in Hodeidah massiv Zivilisten zu Schaden kommen. Diese sind eingeschlossen, die Rebellen postieren Scharfschützen auf den Dächern und feuern aus Panzern. Bei den Kämpfen rund um den Tourismuskomplex Al Waha wurden Zivilisten laut Augenzeugen von Granatsplittern getroffen. Die Luftangriffe erfolgten im Minutentakt, es toben Straßenkämpfe, in denen keine Rücksicht genommen wird.

Propaganda-Debakel

Unterdessen mussten die Houthis eine schwere Niederlage im Propagandakrieg einstecken: Ihr ehemaliger Informationsminister Abdel Salam Jaber lief zum Feind über und gab am Sonntag eine Pressekonferenz in Riad. Dort ließ er kein gutes Haar an den Aufständischen: "Die Milizen schicken im Namen der Religion Kinder in den Krieg", sagte Jaber. Sie hätten "ihre letzten Tage" erreicht. Die saudisch geführte Militärallianz forderte er auf, den Jemen von den Houthi-Kämpfern zu befreien.

Der Konflikt, der bereits mehr als 10.000 Todesopfer gefordert hat, läuft seit dem Jahr 2014. Es handelt sich um einen Stellvertreterkrieg. Die schiitischen Houthis werden vom Iran unterstützt, der seinen Einfluss ausweiten will. Die Regierung wird von einer saudisch geführten Koalition unterstützt, die den Iran unbedingt zurückdrängen will.