Brasilia. Der frisch gewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hält von sozialistischen Staaten nicht viel. Daraus macht er kein Hehl. Einer seiner Lieblingsfeinde ist Kuba. Nun hat er es sich mit der Regierung des Karibikstaates allerdings verscherzt. Bis Mitte Dezember will Kuba alle gut 8500 Ärzte zurückbeordern, die bisher in Brasiliens Gesundheitswesen Lücken stopften. Jetzt droht ein Engpass.

Es fehlt bereits in in vielen Ortschaften an medizinischem Personal. In mindestens zwölf Bundesstaaten gebe es Gesundheitszentren, in denen keine Mediziner mehr arbeiten, berichtete das Nachrichtenportal G1 am Mittwoch. Vor anderen Ordinationen bildeten sich demnach lange Schlangen.

Kuba hatte in der vergangenen Woche bereits damit begonnen, seine Ärzte und Pfleger aus Brasilien abzuziehen und heimzuholen. Vorausgegangen war ein Streit zwischen Kubas sozialistischer Regierung und dem künftigen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro.

Kuba verliert Geld

Der Rechtspopulist wollte die Mediziner direkt und ohne Vermittlung Kubas unter Vertrag nehmen. Das akzeptierte Kuba nicht. Denn Brasilien verstoße damit gegen die Grundlagen des Programms, erklärte das Gesundheitsministerium Kubas.

Für Havanna ist die Bereitstellung von Ärzten und Pflegern mit rund zehn Milliarden Dollar pro Jahr die wichtigste Einnahmequelle. Kuba schickt die Mediziner in mehr als 60 Länder und verdient kräftig mit. Die brasilianische Regierung zahlt etwa pro Monat pro Arzt 3500 US-Dollar, der Mediziner selbst bekommt aber nur 900 Dollar Gehalt. Den Rest behält die kubanische Regierung, die nun viel Geld verliert.

Nach brasilianischen Angaben stellten die Kubaner die medizinische Versorgung von rund 63 Millionen Menschen vor allem in abgelegenen und sozial schwachen Gegenden sicher. Die Stellen werden nun in Brasilien neu ausgeschrieben. Es gilt als unwahrscheinlich, dass diese künftig nur mit Brasilianern besetzt werden können." Der Experte Felipe Proenco de Oliveira schätzt, dass 367 Städte zunächst ganz ohne Ärzte auskommen werden müssen.