Stockholm/Sanaa. Krieg, zehntausende Tote und eine beispiellose humanitäre Katastrophe: Nach vier Jahren Gewalt liegt der Jemen, eines der ärmsten Länder der Welt, zerstört am Boden. Die Kämpfe, in denen der Iran indirekt über Waffenlieferungen an die Rebellen sowie die Saudis mit einer hochgerüsteten Militärkoalition präsent sind, verschonen vor allem Zivilisten nicht.

Elf Millionen Kinder sind laut Unicef auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Bilder ausgemergelter, dem Tod geweihter Babys, die in den Spitälern notdürftig versorgt werden, sorgen für Entsetzen. Alle elf Minuten, errechnete die UNO, stirbt im Jemen ein Kind. Das Land, das früher für seine mittelalterlichen Hochhäuser aus Lehm und seine Ursprünglichkeit von Touristen geschätzt wurde, versinkt im Elend. Die Infrastruktur ist zerstört, Nahrungsmittel sind nicht mehr leistbar. Es kommt zu Cholera-Epidemien.

- © M. Hirsch
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USA machen Druck auf Saudis

Die Menschen in Jemens Hauptstadt Sanaa wollen längst nichts anderes mehr als ein rasches Ende des Krieges. Ähnlich geht es den Bewohnern von Aden und Taiz und denen am Rotmeerhafen Hodeidah, wo Bodenkämpfe große Schäden angerichtet und zivile Opfer gefordert haben.

Die große Hoffnung heißt jetzt Stockholm, alle Blicke sind auf Schloss Johannesberg gerichtet. Dort werden am heutigen Donnerstag Friedensgespräche starten. Vertreter der schiitischen Houthi-Rebellen sind bereits an Ort und Stelle angekommen, eine Delegation der international anerkannten Regierung bestieg am Mittwoch den Flieger in Riad.

Kann es diesmal zu einer Lösung des Konflikts kommen? Ein Blick in die Vergangenheit stimmt pessimistisch. Vor mehr als zwei Jahren platzten die Friedensgespräche im Bajan-Palast in Kuwait. Die fruchtlosen Gespräche boten keine Basis für weitere Verhandlungen.

Heute werden die Chancen auf Erfolg ungleich besser eingeschätzt. Der Schlüssel liegt bei den Saudis. Kronprinz Mohammed bin Salman hat eine arabische Koalition gegen die Houthis geschmiedet, ein schiitischer Stamm, der ursprünglich ganz im Nordwesten des Jemen beheimatet war. Mittlerweile kontrolliert er aber große Teile der dicht besiedelten Gebiete, inklusive der Hauptstadt Sanaa. Für den saudischen Kronprinzen sind die Houthis Werkzeuge des Teufels, Büttel des Iran, der seinen Einfluss in der Region ausweitet und bekämpft werden muss.