Kinshasa. Die Straße vor der US-Botschaft in Kongos Hauptstadt Kinshasa ist mit Betonpfeilern blockiert. Die Türen blieben fast eine Woche lang verschlossen. Die Mitarbeiter mussten von zu Hause aus Dienst schieben. Der Grund: Eine Terrorwarnung, die zwar niemand präzisieren will, die laut verschiedenen Quellen aber "ernst zu nehmen" sei.

Einige Kilometer den großen Boulevard entlang vor dem "Haus Schengen", der Botschaft von Belgien, ein ähnliches Szenario: Betonpfeiler und verschlossene Türen. Nach einem diplomatischen Disput im Februar haben die ehemaligen Kolonialherrscher in Brüssel entschieden, ihre Vertretung zu schließen.

Ende November kam es zum Eklat: Kongos Außenminister She Okitundu bestellte die EU-Botschafter in den roten Salon seines Ministeriums und las ihnen die Leviten. Grund für den Disput: Die EU hatte Sanktionen gegen 14 hochrangige kongolesische Politiker verhängt, darunter Einreiseverbote in den Schengen-Raum sowie Blockierung von Bankkonten im EU-Raum. Unter den 14 ist auch der derzeitige Präsidentschaftskandidat und ehemaliger Innenminister Emmanuel Shadary, der Wunschnachfolger von Präsident Joseph Kabila. Es steht schlecht um die Beziehungen zwischen Kongos Regierung und dem Westen, vielleicht so schlecht wie nie zuvor. Und auch in anderen Ländern Afrikas verliert der Westen immer mehr Einfluss, politischen wie wirtschaftlichen. Das freut wiederum andere Staaten, die um mehr Einfluss in Afrika buhlen, allen voran die Chinesen und Russen.

China hat engagierte Pläne

Chinas Außenwirtschaft konzentriert sich schon seit Jahren auf Afrika und hat engagierte Pläne auf dem Kontinent. Im September verkündete Chinas Präsident Xi Jinping auf dem China-Afrika-Forum, sein Land wolle in den nächsten Jahren 60 Milliarden Dollar in Afrika investieren. Ein Großteil soll als Kredite für Infrastrukturprojekte vergeben werden. Ein Viertel der Ausgaben konzentrieren sich auf ölfördernde Länder wie Nigeria und Angola: auf Eisenbahnlinien und Ölpipelines. Im rohstoffreichen Herzen des Kontinents investieren Chinesen in Minenkonzessionen im Kongo: Kupfer oder Coltan, das in der Elektronikindustrie verwertet wird. Seitdem die Belgier die Kooperation mit Kongos Regierung aufgekündigt haben, trainieren chinesische Offiziere nun Kongos Armee. Sanktionen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gehören nicht zum Repertoire der chinesischen Beziehungen - dies ist mitunter der Grund, warum afrikanische Regierungen den Investoren aus China die Türen aufhalten, während die Beziehungen zu Europa und den USA in der Krise stecken.