Washington. Rückzug auf der ganzen Linie? Nachdem US-Präsident Donald Trump zuletzt angekündigt hat, 2000 US-Soldaten aus Syrien abziehen zu wollen, rückt jetzt Afghanistan in den Fokus. Dort befinden sich 14.000 US-Soldaten, etwa die Hälfte könnten die Heimreise antreten, heißt es in US-Medien. Vizepräsident Mike Pence hat bestätigt, dass ein Abzug von Trump erwogen wird. "Der Präsident ist dabei, das zu bewerten", so Pence.

Die US-Amerikaner sind mit anderen Nato-Ländern im Rahmen des gemeinsamen Ausbildungseinsatzes "Resolute Support" am Hindukusch, Washington hat aber auch unabhängig davon Streitkräfte im Land.

Für den US-Präsidenten ist klar, dass ihm der Einsatz bei den kommenden Wahlen keinen Vorteil bringt: Er ist bei den Amerikaner unbeliebt, der Kampf gegen den Terror in einem Land weitab der Heimat keine Priorität mehr. Anders als in den Jahren unmittelbar nach dem September 2001.

Dass Trump für einen Abzug ist, passt auch zu seiner generellen außenpolitischen Linie. Schließlich verschlingt der Einsatz viel Geld, außerdem sind andere Nato-Länder vor Ort im Einsatz. Die, so die Überlegung Trumps, müssten jetzt eben in die Bresche springen.

Es ist wahrscheinlich und selbst für Trump einsichtig, dass der Plan nicht aufgeht: "Wenn die Vereinigten Staaten sich bis auf ein Restkontingent aus Afghanistan zurückziehen, gibt es auch für uns keinen Grund mehr, diesen Einsatz fortzusetzen", so der frühere Generalinspekteur der deutschen Bundeswehr, Harald Kujat. Fallen die Amerikaner aus, dann hätten die Europäer massive logistische Probleme. "Es ist keine Strategie, amerikanische durch europäische Soldaten zu ersetzen", heißt es in Berlin. Trump ist um eine Antwort nicht verlegen. Dann sollen sich eben Länder wie Pakistan und Russland in Afghanistan engagieren. "Pakistan ist dort, sie sollen kämpfen. Russland ist dort, sie sollen kämpfen", so der US-Präsident. Zuletzt sorgte er für Irritation in Kabul, weil er den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan im Jahr 1979 explizit lobte.

In Kabul macht sich Verunsicherung breit. Die afghanische Armee hat den Kampf gegen die Taliban übernommen und erleidet große Verluste. Hier fühlt man sich von den USA im Stich gelassen. Trumps Erwägungen sind hingegen Musik in den Ohren der Taliban, die Selbstvertrauen tanken und sich weiter auf der Überholspur wähnen. Die Gotteskrieger haben ihren Einfluss schrittweise ausgeweitet, mittlerweile kontrollieren sie wieder rund die Hälfte des Landes.

"Sand und Tod"

Ähnlich wie im Fall Syrien hat Trump auch diesmal vor allem Verwirrung gestiftet. In Syrien könnte sich der US-Abzug erheblich verzögern, nur teilweise oder gar nicht stattfinden. Er habe nie einen konkreten Zeitpunkt genannt, verteidigte sich Trump zuletzt, er habe "nie gesagt, dass ich morgen rausgehe". Zugleich meinte Trump, nicht er, sondern Amtsvorgänger Barack Obama habe Syrien aufgegeben: "Syrien wurde vor langer Zeit verloren." Dort gehe es nicht um "gewaltigen Reichtum", so Trump. "Wir reden über Sand und Tod."

Kurz nach Trumps umstrittener Entscheidung für den Truppenabzug aus Syrien hatte Verteidigungsminister James Mattis entnervt seinen Rücktritt angekündigt. Inzwischen ist der ehemalige demokratische Senator Jim Webb für den Pentagon-Posten im Gespräch. Webb diente im Vietnam-Krieg, zudem ist er Autor von zehn Büchern. Unter dem republikanischen Präsidenten Ronald Reagan war er Marineminister. Im Gespräch sind auch die republikanischen Senatoren Tom Cotton und Lindsey Graham sowie der ehemalige republikanische Senator Jim Talent.