Zum EWG-Beitritt Großbritanniens war der Weg erst frei, als De Gaulle abgetreten und bereits tot war. Mit Edward Heath war es nach Macmillan wieder ein Konservativer, der entgegen dem Übervater Churchill die Briten innerhalb des europäischen Einigungsprozesses sah. Großbritannien trat der EWG schließlich am 1. Jänner 1973 bei. In einer Ansprache nach erfolgreicher Beendigung der Beitrittsverhandlungen ließ Heath durchblicken, dass es ihm bei der Beseitigung von Schranken zwischen den Mitgliedsländern bereits auch um eine Öffnung Richtung der osteuropäischen Staaten, die hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden waren, und eine kohärente Entspannungspolitik ging. Die britische Commonwealth-Zugehörigkeit war für Heath kein Hindernis, sondern eine Bereicherung.

Wie intern geteilt die britischen Großparteien, Konservative und Labour, in der Europapolitik waren, zeigte das Referendum von 1975, bei dem die Briten klar für den Verbleib stimmten. Wieder an der Macht, hatte Labour-Premier Harold Wilson den Beitrittsvertrag zugunsten Großbritanniens nachverhandelt und ließ sich den Erfolg vom Volk bestätigen. Der linke Flügel seiner Partei war dabei traditionell europakritisch und gegen Wilsons Linie. Auch der heutige Labour-Oppositionsführer Jeremy Corbyn sieht die EU kritisch; Ex-Premier Tony Blair aus dem rechten Labour-Spektrum dagegen ist gegen den Brexit und hat sich für ein zweites Referendum ausgesprochen.

Nur ja kein Superstaat

Ähnlich gespalten waren die Konservativen: Margaret Thatcher hatte als Oppositionsführerin beim Referendum für ein Ja gestimmt. Ihr prominenter Parteikollege Sir Edward Dillon Lott du Cann war dagegen Teil der Nein-Kampagne: "Viele Konservative fühlen, dass die Europäische Gemeinschaft nicht gut für Großbritannien ist", meinte er. Noch deutlich sichtbarer wurde die Spaltung der Konservativen, als sich Thatcher als Premierministerin von der zunehmenden europäische Integration auf politischer Ebene oder vom Euro mehr und mehr distanzierte. 1988 betonte Thatcher, die schon 1984 mit den legendären Worten "I want my money back" den Briten-Rabatt ausgehandelt hatte, in einer Rede am Europakolleg in Brügge ihre Sicht von Europa als "Zusammenarbeit unabhängiger souveräner Staaten". "Zu versuchen, Nationalstaatlichkeit zu unterdrücken und Macht im Zentrum eines europäischen Konglomerats zu konzentrieren, wäre höchst schädlich (...)". Thatcher warnte vor einem "europäischen Superstaat, der von Brüssel aus eine neue Dominanz ausübt."

Die Divergenzen in der eigenen Partei waren zwei Jahre später ein wichtiger Grund, warum Thatcher nach elf Jahren als Regierungschefin, die Unterstützung ihres Kabinetts und ihr Amt verlor. Auch ihrem Nachfolger John Major gelang es nicht, Geschlossenheit in den eigenen Reihen herzustellen. Bei der Umwandlung der EG in die EU durch den Vertrag von Maastricht Anfang der 90er Jahre wandelte seine Regierung am Rande des Abgrunds, obwohl Major etliche weitere Sonderregelungen für die Briten in der EU durchsetzen konnte. Auch der nächste konservative Premier David Cameron biss sich bei der eigenen Fraktion die Zähne aus. Er verlor 2016 das Brexit-Referendum, das er auch angestrebt hatte, um die Tories zur Einheit zu zwingen. Den Scherbenhaufen, den Cameron nach seinem Rücktritt wenige Wochen später hinterließ, erbte Theresa May.