Wien/Teheran. Iran, 1. Februar 1979: Vor genau 40 Jahren landet die Maschine des greisen Schiitenführers Ajatollah Khomeini auf dem Teheraner Flughafen. Ab diesem Zeitpunkt ist nichts mehr so, wie es war.

Mehr als eine Million begeisterter Menschen bevölkerten die Straßen, dem Heimkehrer, der 15 Jahre im Pariser Exil war, wurde ein triumphaler Empfang bereitet. "Wenn der Teufel geht, kommt der Engel", hieß es in der religiös aufgeladenen Stimmung. Der Teufel, das war der Schah, der das Land bereits am 16. Jänner fluchtartig verlassen hatte. Der Engel, das war Khomeini. Der bärtige, von Gott legitimierte Revolutionsführer, der in allen Belangen das letzte Wort haben sollte.

Die Befürchtungen iranischer Intellektueller, Linker und säkularer Nationalisten bewahrheiteten sich rascher als gedacht. Weniger als zwei Wochen nach seiner Ankunft waren Khomeinis Leute an den Schalthebeln der Macht, genau zwei Monate dauerte es, bis die Islamische Republik ausgerufen war. Die Revolution verwandelte das Land von einem angehenden Industriestaat westlicher Prägung in einen "Gottesstaat", in dem Religion zum allein bestimmenden Faktor wurde. Die neue Führung verstaatlichte die Banken, Investoren zogen sich zurück, die Wirtschaft kam gleich zu Beginn der neuen Ära vollständig zum Erliegen. Die Rechte der Frauen, die unter dem Schah das Wahlrecht erhalten hatten, wurden beschnitten. Es gilt bis heute Verhüllungspflicht im öffentlichen Raum. Politische Gegner werden eingekerkert, Prostituierte, Homosexuelle und Ehebrecher zum Tod verurteilt.

Der Westen reagierte auf den Umsturz verunsichert. Denn das immer repressiver agierende Schah-Regime hatte nach und nach alle Sympathien verspielt und konnte zuletzt nur mehr sehr bedingt auf westliche Unterstützung bauen.

Vorbild auch für Sunniten

Was in den Tagen des Umsturzes nicht gesehen wurde: Die Revolution im Iran war ein Wendepunkt, denn damals schlug die Geburtsstunde des politischen Islam. Ein Faktor, der künftig eine ungeheure Rolle spielen sollte. Der Iran wurde ab 1979 zum Vorbild für zahlreiche, auch sunnitische islamistische Strömungen. Ein "role model", dem nachgeeifert wurde und das die Weltordnung mehr als einmal beträchtlich ins Wanken brachte. Die islamistischen Bewegungen, die sich in den folgenden Jahrzehnten ein Beispiel am Iran nahmen, waren allerdings auf lange Sicht nicht so erfolgreich wie die Mullahs.

Die Taliban hatten Afghanistan zwar fest im Griff, das beschränkte sich allerdings auf ein paar Jahre. Die Hamas bleibt auf den Gazastreifen limitiert. Die Muslimbrüder in Ägypten kamen demokratisch an die Macht, diese wurde ihnen von der Armee dann schnell wieder entzogen. Auch der selbst ernannte Islamische Staat scheiterte spektakulär.