Washington. Im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit haben sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Vizepremier Liu He am Donnerstag nach einem Treffen zuversichtlich gezeigt. Wir werden jetzt ein großartiges Handelsabkommen bekommen, wenn alles funktioniert", sagte Trump.

Sein Handelsbeauftragter Robert Lighthizer sagte, bei den zweitägigen Verhandlungen in Washington seien Fortschritte erzählt worden, es gebe aber auch noch sehr viel Arbeit.

Der Gast aus Peking überreichte Trump einen Brief von Staatschef Xi Jinping. Die Beziehungen zwischen China und den USA seien "an einem kritischen Punkt", heißt es in dem Schreiben. "Ich hoffe, beide Seiten werden weiterhin in gegenseitigem Respekt arbeiten", schrieb Xi weiter.

Trump berichtete von "enormen Fortschritten" in den Handelsgesprächen mit China. Im Detail äußerte er sich zum Stand der Verhandlungen am Donnerstag allerdings nicht. Die chinesische Delegation verhandelte seit Mittwoch mit der US-Regierung in Washington. Trump kündigte an, dass eine US-Delegation bald nach China reisen werde, um die Handelsgespräche fortzusetzen.

90 Tage "Waffenstillstand"

Man arbeite hart daran, bis zum 1. März eine Einigung zustande zu bekommen, erklärte Trump. Beide Seiten hatten sich Anfang Dezember in Argentinien auf einen 90 Tage währenden "Waffenstillstand" geeinigt.

Nach seinen Angaben wurde mit den chinesischen Vertretern nicht über die Ausdehnung einer laufenden Frist für die drastische Erhöhung von US-Zöllen gesprochen. Nach der am 2. März endenden Frist könnten bisherige US-Strafzölle auf chinesische Waren im Umfang von 200 Milliarden Dollar (175 Milliarden Euro) von zehn auf 25 Prozent steigen.

Kurz vor der jüngsten Verhandlungsrunde hatte die US-Justiz Anklage gegen den chinesischen Smartphone- und Technologieriesen Huawei und dessen Finanzdirektorin Meng Wanzhou erhoben. Das Justizministerium beschuldigt Huawei, Meng und zwei Tochterunternehmen, gegen die Iran-Sanktionen verstoßen zu haben. Meng war Anfang Dezember auf Betreiben der US-Justiz in Kanada festgenommen worden. Washington fordert die Auslieferung der Tochter von Konzerngründer Ren Zhengfei.

Trump will sich bald mit Xi treffen, um den Handelsstreit der beiden größten Volkswirtschaften der Welt letztlich beizulegen. Das Schreiben Xis bezeichnete er am Donnerstag als einen "schönen Brief". Ein Termin für einen Gipfel sei aber noch nicht festgesetzt, sagte der US-Präsident. Sollte es zu einem Handelsabkommen kommen, werde dies das größte sein, das jemals geschlossen wurde. Trump sagte, am Ende werde er gemeinsam mit Xi die Entscheidung treffen.

Subventionen und Fentanyl als Knackpunkte

Inhaltlich gab es am Donnerstag noch durchaus schwerwiegende Unterschiede. "Wir werden keinen Deal bekommen, wenn wir es nicht für die Bauern und für die Industrie öffnen", sagte Trump. "Ohne das wäre eine Vereinbarung nicht akzeptabel!", hatte er bereits zuvor via Twitter erklärt. Bei Finanzdienstleistungen habe es bereits Fortschritte gegeben.

Knackpunkte sind unter anderem der Kampf der USA gegen den Diebstahl geistigen Eigentums, versteckte Subventionen in chinesischen Staatsbetrieben sowie der Schmuggel des Opioids Fentanyl in die USA.

Die USA fordern mehr Marktzugang in China, eine Verringerung des US-Handelsdefizits sowie einen besseren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer für in China tätige US-Unternehmen. Washington will Peking auch zu strukturellen Änderungen bei seinen Staatsbetrieben zwingen. Die Einhaltung getroffener Vereinbarungen sei ein wichtiger Punkt, sagte US-Handelsbeauftragter Lighthizer.

Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt stecken seit einem Jahr im Handelskonflikt und haben sich gegenseitig mit massiven Strafzöllen überzogen. Weltweit schürt dies Ängste vor einem Einbruch der Konjunktur.