Caracas. Im Kampf um die Macht in Venezuela wollen mehrere andere EU-Länder den Parlamentschef Juan Guaidó künftig als legitimen Übergangspräsidenten betrachten. Eine entsprechende Erklärung wurde im Laufe des Montags erwartet. Der gewählte Präsident Nicolás Maduro rief Papst Franziskus in einem Brief auf, den Dialog in seinem Land zu fördern.

Zuvor war ein Ultimatum von acht EU-Mitgliedsländern verstrichen: Sie hatten den umstrittenen Staatschef Nicolás Maduro aufgefordert, bis zum Wochenende eine faire und freie Neuwahl des Präsidenten anzusetzen. Maduro wies das Ultimatum als "Frechheit" zurück. Die nächste Präsidentenwahl werde erst 2024 stattfinden. "Wir akzeptieren keine Ultimaten von niemandem. Uns interessiert nicht, was Europa sagt", so Maduro im Interview mit dem Sender "Antena 3". Auch im Interview mit dem spanischen Sender "La Sexta", das am Sonntag ausgestrahlt wurde, machte Maduro klar, dass er angesichts des Drucks des Westens nicht nachgeben werde. Am Samstag stellte er lediglich vorgezogene Wahlen des von der Opposition dominierten Parlaments - noch in diesem Jahr - in Aussicht.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sicherte Guaidó seine "volle Unterstützung" zu. Österreich habe bereits die Nationalversammlung, deren Präsident Guaidó ist, als legitime gewählte Vertretung Venezuelas anerkannt. Sollte das Ultimatum ablaufen, werde man Guaidó als legitimen Übergangspräsidenten betrachten, wie auch in der venezolanischen Verfassung vorgesehen, hieß es aus dem Bundeskanzleramt.

 Er selber handle mit seinem politischen Einsatz "im Dienst Christi", so Maduro im Interview mit dem italienischen TV-Sender Sky Tg 24.

"Ich bitte den Papst, sich einzusetzen, um uns auf dem Weg des Dialogs zu helfen. Wir hoffen auf eine positive Antwort", so Maduro. Papst Franziskus hatte sich wiederholt für eine friedliche Lösung der Krise und die Einhaltung der Menschenrechte in Venezuela ausgesprochen.

Wirtschaftliche und politische Krise

Bereits zuvor stellten Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Großbritannien, die Niederlande und Belgien dieses Ultimatum an Maduro. Die USA sowie mehrere Länder Lateinamerikas und weltweit haben Guaidó bereits anerkannt. Hinter Maduro stehen unter anderem Russland, China und die Türkei. Innenpolitisch stützt er sich vor allem auf das Militär.