Genf. Eine Reihe von Menschenrechtsorganisationen haben die Vereinten Nationen aufgefordert, die Unterdrückung der uigurischen Minderheit in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang zu untersuchen. "Die Misshandlung in Xinjiang ist so schwerwiegend, dass es nach internationalem Handeln schreit", sagte der Chef von Human Rights Watch (HRW), Kenneth Roth, am Montag in Genf.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres schweige bisher zu "einem der dreistesten Menschenrechtsverstöße", weil er China nicht verärgern wolle. Guterres müsse aber "etwas sagen".

Human Rights Watch, Amnesty International und mehr als ein Dutzend andere Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen forderten eine "internationale Untersuchungsmission" unter Mandat des UN-Menschenrechtsrates, um "die Wahrheit aufzudecken". In Internierungslagern in Xinjiang seien Uiguren "erzwungener politischer Indoktrinierung, dem Verzicht auf ihren Glauben, Misshandlung und in einigen Fällen auch Folter ausgesetzt", erklärten sie. Es gebe Berichte über Todesfälle und Suizide in den Einrichtungen.

China spricht von
internen Angelegenheiten

Experten zufolge werden bis zu einer Million Uiguren und Mitglieder anderer hauptsächlich muslimischer Minderheiten in Umerziehungslagern in Xinjiang festgehalten. Der Welt-Uiguren-Kongress geht allerdings davon aus, dass die Zahl der Inhaftierten inzwischen auf "vielleicht drei Millionen" angestiegen sei.

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hatte sich im September vor dem Menschenrechtsrat besorgt über die Vorwürfe zur willkürlichen Inhaftierung von Uiguren in Xinjiang geäußert.

Ihr Büro versuchte ihren Angaben zufolge, Berichte über die Internierungslager zu prüfen. Allerdings wollte die Kommunistische Partei Vertreter der Vereinten Nationen nur dann einreisen lassen, wenn diese sich nicht in interne Angelegenheiten einmischten. Die Volksrepublik sieht in den Lagern "Bildungszentren", die Menschen von "Terrorismus" abhalten und in die Gesellschaft integrieren sollen.