Caracas/Washington/Brüssel. Die Unterstützungsbekundungen kamen im Stundentakt. Aus etlichen europäischen Hauptstädten erhielt der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaido am Montag Zuspruch - einen Tag, nachdem ein Ultimatum der EU abgelaufen war. Da aber Machthaber Nicolas Maduro in Caracas an seinem Präsidentenposten festhält und die Forderung nach einer vorgezogenen Wahl für sein Amt zurückweist, erkannte ein Land nach dem anderen Guaido als Übergangspräsidenten an. Österreich, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Schweden und Dänemark - sie alle gaben entsprechende Deklarationen ab.

Da Maduro die Frist habe verstreichen lassen, "betrachten wir von nun an Präsident Guaido als legitimen Übergangspräsidenten in Einklang mit der venezolanischen Verfassung", teilte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Spaniens Premier Pedro Sanchez und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron riefen außerdem Guaido dazu auf, rasch Neuwahlen zu organisieren. Eine Kontaktgruppe, zu der mehrere EU-Staaten gehören, soll helfen, die Grundlagen dafür zu legen. Deutschland hat dem lateinamerikanischen Land darüber hinaus humanitäre Hilfe in Höhe von fünf Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Italien in Blockadehaltung

Eine einheitliche Linie in der Venezuela-Krise brachten die EU-Mitglieder bis Montag allerdings nicht zustande. Italien habe das nämlich blockiert, hieß es aus diplomatischen Kreisen in Brüssel. Beschlüsse zur EU-Außenpolitik müssen aber einstimmig fallen.

Zwischen den Koalitionspartnern in Rom gibt es Differenzen. Während die rechtspopulistische Lega das "kommunistische Regime" Maduros verurteilt, kamen aus der Fünf-Sterne-Bewegung Warnungen vor einer Anerkennung des selbst ernannten Interimspräsidenten, da Venezuela zum "Libyen Südamerikas" werden könnte.

Das europäische Vorgehen hielt Maduro aber ohnehin scheinbar für nachrangig. "Uns interessiert nicht, was Europa sagt", erklärte der Präsident. Tatsächlich ist die Wirtschaft des Landes, die auf Ölexporten beruht, weit mehr mit den USA und China verknüpft. Einer der engsten politischen Verbündeten ist freilich Russland.

Von dort kam denn auch scharfe Kritik an den Europäern - so wie zuvor an den USA, die mit der Anerkennung Guaidos vorgeprescht waren. Die Unterstützung der EU-Staaten für den Interimspräsidenten sei "sowohl direkt als auch indirekt eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas", befand Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. "Nur die Venezolaner selbst können diese Krise lösen."

Dennoch wächst der internationale Rückhalt für Guaido, während Maduro noch vom Iran, von der Türkei, Kuba, Bolivien und Nicaragua unterstützt wird. Umgekehrt erhöhte US-Präsident Donald Trump noch den Druck auf Maduro: Er schloss die Entsendung von Militär nach Venezuela nicht aus.

Weniger drastische Optionen berieten die in der Lima-Gruppe zusammengeschlossenen dreizehn lateinamerikanischen Staaten und Kanada. In kanadischen Regierungskreisen hieß es, es sei zu prüfen, wie durch humanitäre Hilfe der unter Lebensmittel- und Medikamentenknappheit leidenden Bevölkerung Linderung verschafft werden könne. Die Verhängung neuer Strafmaßnahmen zeichnete sich aber nicht ab. Im Jänner hatte die Lima-Gruppe Einreiseverbote gegen venezolanische Regierungsvertreter verhängt sowie deren Auslandsvermögen gesperrt.

Maduro war 2018 in umstrittenen und von der Opposition weitgehend boykottierten Wahlen bestätigt worden. Im Jänner begann seine zweite Amtszeit.