Caracas. (dpa) Nicolás Maduro umgibt sich gern mit Soldaten: Offiziere mit roten Baretts, Fallschirmjäger, Piloten in grüner Uniform. In den sozialen Medien postet der venezolanische Staatschef viele Bilder und Videos von sich mit den Militärs. Der Präsident braucht sie. Die Streitkräfte sind seine Überlebensgarantie. Sie könnten aber auch diejenigen werden, die ihn ins Exil schicken. "Der Sturz Maduros wird vom Militär ausgehen", sagt der deutsche Soziologe Heinz Dieterich. Er gilt als Ideologe des sogenannten Sozialismus des 21. Jahrhunderts und diente als Berater von Maduros Vorgänger Hugo Chávez, der von 1999 bis zu seinem Tod 2013 Staatschef war und der als Vater der sogenannten bolivarischen Revolution gilt.

"Ein gescheiterter Mann"

Jetzt wächst in Venezuela der Druck. Der oppositionelle Parlamentschef und selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó wird seit Montag von zahlreichen europäischen Ländern anerkannt. Schon zuvor hatten ihn die USA und Kanada sowie verschiedene lateinamerikanische Regierungen als rechtmäßigen Übergangspräsidenten akzeptiert.

Maduro dagegen sei ein "gescheiterter Mann ohne Zukunft", sagt der 75-jährige Soziologe, der ein Institut an der Universidad Autónoma Metropolitana in Mexiko-Stadt leitet. Auch wenn sich Dieterich später von Chávez distanzierte, erinnert er sich dennoch an den aus seiner Sicht "außergewöhnlichen" Menschen. Dieterich studierte in Frankfurt bei Theodor Adorno und Max Horkheimer. Im Häuserkampf lernte er Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit kennen. Nach seiner Promotion in Bremen kam er über ein akademisches Austauschprogramm nach Mexiko, erhielt einen Lehrauftrag und blieb. Er ist in der Region bestens vernetzt und gilt als Einflüsterer von linken Politikern und Militärs. In Lateinamerika ist er deutlich bekannter als in Deutschland.

"Maduro ist isoliert"

Dieterich kennt die Denkweise der lateinamerikanischen Militäroberen. Nach eigenen Angaben steht er auch mit venezolanischen Militärs im Kontakt, und er ist sicher, dass sie sich nicht für Maduro aufopfern werden. "Washington hat Maduro praktisch schon von Europa isoliert", sagt er. "In dem Maße, wie es (den USA) gelingt, ihn weiter politisch und diplomatisch zu isolieren und ihn finanziell und wirtschaftlich im Würgegriff zu halten, wird die Zeit für ihn immer knapper. Den Militärs ist klar, dass die Überlebenschance für Maduro gleich null ist."

Sollten die Militärs zu dem Schluss kommen, dass Maduro nicht länger zu halten ist, dürften sie zügig die Seiten wechseln. "In entscheidenden Momenten haben wir gesehen, dass sich die Militärs an die realen Machtoptionen anpassen", sagt auch Rocío San Miguel von der Nichtregierungsorganisation Control Ciudadano. "Sie sind eher Pragmatiker als Idealisten." "Maduro wird akzeptieren", sieht Dieterich Maduros Zukunft im Ausland. "Das Exil ist besser, als getötet zu werden wie Gaddafi." "Wenn das Militär keine führende Rolle bei der Festlegung der Übergangsbedingungen übernimmt, liegt alles in Guaidós Hand".

Unterdessen haben venezolanische Soldaten laut Opposition einen Grenzübergang zu Kolumbien blockiert, um Lebensmittellieferungen aus den USA zu verhindern.