Washington/Moskau. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg will den INF-Abrüstungsvertrag durch die Einbeziehungen weiterer Staaten noch retten. Die Vereingten Staaten hatten den Vertrag Freitag vergangener Woche aufgekündigt, Russland setzte ihn einen Tag später aus. Beide werfen sich gegenseitig vor, die Bestimmungen verletzt zu haben.

Das Abkommen aus dem Jahr 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion untersagt den Bau und Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern.

Stoltenberg sagte am Donnerstag den Zeitungen der deutschen Funke-Mediengruppe, Russland habe immer wieder beklagt, dass Länder wie China, Indien, Pakistan oder der Iran Mittelstreckenraketen entwickelt und stationiert hätten, die ihm selbst verboten seien. "Aber das ist keine Entschuldigung für Vertragsverletzungen", fügte der Nato-Chef hinzu. "Im Gegenteil. Es muss Anlass sein, diesen Abrüstungsvertrag zu stärken und mehr Partner einzubeziehen."

Noch halbes Jahr Zeit

Stoltenberg kündigte an, die Nato werde eigene Initiativen prüfen, um den Vertrag zu erhalten und die Rüstungskontrolle zu stärken. "Und wir werden mit Russland weiter sprechen", betonte der Nato-Chef. Bis der Vertrag nach der Kündigung endgültig ausläuft, bleiben noch sechs Monate Zeit für eine Beilegung des Streits. Erst danach wäre der INF-Vertrag endgültig beendet. "Wir rufen Russland erneut auf, diese Gelegenheit zu nutzen."