Damaskus. Truppen unter kurdischer Führung haben im Osten Syriens eine Offensive auf die letzte Hochburg des IS in dem Bürgerkriegsland begonnen. Seit Samstagabend greifen sie den kleinen Ort Baghuz an der Grenze zum Nachbarland Irak an, wie die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mitteilten.

Kampfjets der von den USA angeführten internationalen Anti-IS-Koalition unterstützen die Angriffe aus der Luft. Die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" meldete, die heftigen Kämpfe brächten Hunderte Familien in Gefahr. Die IS-Kämpfer missbrauchten die Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Ein CNN-Reporter meldete, in Baghuz könnten sich bis zu 1500 Zivilisten aufhalten.

Sollte die Offensive erfolgreich sein, könnte der jahrelange Krieg gegen den IS in Syrien und im benachbarten Irak sein vorläufiges Ende erreichen. Die Dschihadisten haben seit Sommer 2014 ihr früheres Herrschaftsgebiet fast vollständig verloren.

In Baghuz sollen noch viele ausländische IS-Anhänger und andere Kämpfer ausharren, die als besonders kampferprobt gelten. Dort rücken am Boden die SDF-Truppen vor, die von der Kurdenmiliz YPG angeführt werden. Sie hatten bereits in den vergangenen Monaten große Gebiete vom IS im Norden und Osten Syriens eingenommen. Ein Sieg über den IS in Baghuz würde auch die Pläne von US-Präsident Donald Trump erleichtern, die rund 2000 amerikanischen Soldaten aus Syrien abzuziehen.

US-Abzug bis April

Am Mittwoch hatte er erklärt, er rechne in naher Zukunft, eventuell schon nächste Woche, mit einer vollständigen Rückeroberung der IS-Gebiete. Einen offiziellen Zeitplan hat Trump bisher nicht vorgelegt. Das "Wall Street Journal" berichtete in der vergangenen Woche, der Abzug solle Ende April abgeschlossen sein.

Trumps Abzugspläne haben international massive Kritik ausgelöst. Militärs und Beobachter warnen, der IS sei trotz der Gebietsverluste noch nicht besiegt und könne wiedererstarken. In einem kürzlich vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichten Bericht heißt es, der IS bleibe aktiv und könne in sechs bis zwölf Monaten wieder aufleben.