Caracas. Tausende Regierungsgegner sind im Machtkampf zwischen Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro und dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó erneut auf die Straße gegangen. Anlässlich des Tags der Jugend riefen sie am Dienstag bei landesweiten Demonstrationen die Streitkräfte dazu auf, die Grenzen zu öffnen und die Anlieferung von Hilfsgütern für die notleidende Bevölkerung zu ermöglichen.

"Soldaten, Matrosen, Polizisten, das ist ein Befehl: Lasst die humanitäre Hilfe ins Land", sagte Guaidó bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Caracas. "Wir führen einen Krieg gegen den Hunger und das Elend." Am kommenden Wochenende sollten sich Freiwillige im ganzen Staatsgebiet treffen, um die Verteilung der Hilfsgüter zu planen. Ab dem 23. Februar sollen die Lieferungen dann ins Land gebracht werden, wie Guaidó ankündigte.

Seit der vergangenen Woche warten in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta zehn Lastwagen mir etwa 100 Tonnen Hilfsgütern auf die Erlaubnis, passieren zu dürfen. In dieser Woche soll zudem eine Sammelstelle für Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel im brasilianischen Bundesstaat Roraima an der Grenze zu Venezuela eingerichtet werden.

Madura spricht von Polit-Show

Das erdölreichste Land der Welt leidet unter einer schweren Versorgungskrise. Viele Menschen hungern, in den Krankenhäusern fehlt es an Medikamenten und Material. Maduro lehnt die humanitäre Hilfe als politische "Show" ab. Der sozialistische Präsident befürchtet, dass die Lieferungen lediglich ein Vorwand für eine militärische Intervention in Venezuela sein könnten.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte unterdessen US-Außenminister Mike Pompeo vor jeglichen Interventionen in die inneren Angelegenheiten Venezuelas, einschließlich des Militärs. Dies erklärte das russische Außenministerium nach einem Telefongespräch zwischen den beiden. Lawrow sagte demnach, Russland sei zu Konsultationen über Venezuela im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen bereit.

"In Venezuela sterben Kinder an Unterernährung", sagte der frühere Bürgermeister von Caracas, Antonio Ledezma, bei einer Pressekonferenz in Rom. Wenn der Machtwechsel gelingt, werde die Übergangsregierung die Wirtschaft des einst reichen Landes wieder ankurbeln. "Wir werden die Infrastruktur wieder aufbauen, Venezuela für ausländische Investitionen öffnen und die Schulden restrukturieren", sagte der Oppositionspolitiker, der in Venezuela in Haft saß und heute im Exil lebt. Das Land brauche finanzielle Hilfen in Höhe von mindestens 80 Milliarden US-Dollar (70,7 Mrd Euro).

Russland und China unterstützen Maduro

Zahlreiche Staaten, darunter die USA und Deutschland, haben den Parlamentspräsidenten Guaidó, der sich am am 23. Jänner selbst zum Interimspräsidenten erklärt hatte, bereits als rechtmäßigen Übergangsstaatschef anerkannt. Maduro kann sich auf Russland, China und die Türkei sowie Kuba, Bolivien und Nicaragua stützen. Auch das mächtige Militär steht noch an der Seite von Maduro.

"Die Zeit läuft gegen Nicolás Maduro, eine Regierung, die keine Zukunft, keine Ideen und keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat", sagte Guaidó in einem Interview der Deutschen Welle. "Wir dagegen sind eine Bewegung, die wächst, und werden nicht zurückweichen."