Damaskus/Berlin. Syriens Kurden haben die Vereinten Nationen aufgerufen, in dem Bürgerkriegsland internationale Sondergerichte für inhaftierte IS-Kämpfer einzurichten. Die Heimatländer der Dschihadisten hätten bisher nicht auf die Forderung der Kurden reagiert, IS-Anhänger zurückzuholen, sagte Mustafa Bali, Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Im Norden Syriens gebe es nicht die Möglichkeit, die Terroristen juristisch zu verfolgen. Prozesse unter dem Dach der UNO könnten hingegen eine Lösung sein, die alle zufriedenstelle.

Dem SDF-Sprecher zufolge haben die SDF bisher rund 1300 ausländische IS-Kämpfer gefangen genommen, Iraker ausgenommen. Einige seien während der Kämpfe gefasst worden, andere hätten sich gestellt. Die von den Kurden angeführten SDF-Truppen gehen derzeit im Osten Syriens gegen die letzte IS-Bastion in dem Bürgerkriegsland vor und haben die Dschihadisten in dem Ort Baghuz auf engstem Raum eingekreist. Die Zahl der dort verschanzten IS-Kämpfer schätzte Bali auf rund 500.

Soufan Center schätzt
40.000 ausländische Kämpfer

Die bereits gefassten Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat sitzen in Lagern im Norden Syriens. Aus SDF-Kreisen hieß es, die meisten stammten aus Saudi-Arabien. Bei der Zahl der ausländischen Kämpfer kommt die New Yorker Forschungsstelle The Soufan Center (TSC) in ihrem Bericht des Jahres 2017 für Saudi-Arabien auf rund 3200. Noch mehr stammen aus Russland, nämlich 3400.

Österreich liegt dem Bericht zufolge auf Platz 6 unter den EU-Staaten - hinter Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Belgien und Schweden. Von 296 heimischen IS-Kämpfern sollen 90 davon wieder zurückgekehrt sein. Aktuelle Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) sprechen von insgesamt 320 IS-Anhängern, von denen 30 Prozent die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, 40 Prozent die russische. Die Zahl nach Österreich zurückgekehrten ausländischen Kämpfer deckt sich mit jener von TSC. Knapp 100 Kämpfer aus Österreich halten sich laut BTV derzeit noch in Kriegsgebieten auf.

Über 40.000 Personen aus mehr als 110 Ländern seien in den Irak und nach Syrien gegangen, um sich der Terrormiliz anzuschließen, vermeldete The Soufan Center im November 2018. 5600 davon kehrten demnach wieder in ihre Heimatländer zurück.