Erbil. (hdt) "Wir sind und bleiben Teil des Irak - solange der Staat föderalistisch, pluralistisch und demokratisch ist". Der Präsident der Autonomen Region Kurdistan, Massud Barsani, ist Realist: "Natürlich haben wir den Traum von Kurdistan - aber man muss sich Ziele setzen, die erreichbar sind. Schon in den 60er-Jahren war unsere Parole: Demokratie im Irak zuerst, Kurdistan als nächstes."

Während alle Welt täglich die Nachrichten von Blutvergießen und Terror in Bagdad sieht, solle sie auch würdigen, dass in diesem Teil des Landes friedlich am Wiederaufbau gearbeitet wird. "Wir waren und sind nicht ein Teil des Problems, sondern der Lösung".

Der 60jährige Chef der Kurdisch-Demokratischen Partei (KDP) hat nicht vergessen, dass Österreich 1975 das erste Land war, das kurdische Flüchtlinge aufnahm, und empfängt daher die österreichische Wirtschaftsdelegation in seiner erst im Dezember bezogenen neuen Residenz auf einer Bergkuppe 35 Kilometer außerhalb Erbils besonders herzlich.

Dass jetzt auch kurdische Einheiten in Bagdad eingesetzt werden sollen, unterstützt Barzani: Diese Truppenteile gehörten zur irakischen Armee und unterstehen der Zentralregierung in Bagdad. Dass die Sicherheitslage im Norden dadurch prekärer werden könnte, verneint er: "Wir haben unser System installiert". Insgesamt sollen drei Bataillone kurdischer Peshmerga aus Dohuk, Erbil und Suleimaniya nach Bagdad verlegt werden und dort als Puffer zwischen den rivalisierenden Schiiten und Sunniten agieren.

Barzani tritt vehement dafür ein, dass das umstrittene Referendum über die Zukunft der auch von Arabern und Turkmenen beanspruchten Ölregion um Kirkuk im Herbst 2007 stattfindet: "Kirkuk ist eine irakische Stadt mit kurdischer Identität." Das Referendum nicht abzuhalten wäre "eine Katastrophe".

Die Aussage des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan, die Türkei werde ein kurdisches Kirkuk nicht akzeptieren, sieht er gelassen: "Er muss Wahlkampf führen". Die Türkei solle sich nicht in innere Angelegenheiten des Irak einmischen.