Der als "Löwe von Pandschir" bekannte Held des Widerstandes gegen die sowjetische Okkupation, der zuletzt nur noch etwa 5 Prozent des Territoriums gegen die international nicht anerkannten Taliban hielt, hatte bei dem Bombenattentat in der Nacht auf Montag schwere Kopfverletzungen erlitten. Sein Bruder Ahmed Wali, Botschafter der afghanischen Exil-Regierung in London, sagte, Massud befinde sich in einem Krankenhaus in Tadschikistan.

"Der Arzt sagt, es wird zehn bis zwölf Stunden dauern, bis wir Näheres wissen", sagte Wali. Die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS hatte zuvor berichtet, Massud sei seinen Verletzungen erlegen.

Die afghanische Botschaft in Wien hat diese Meldung am Montag als falsch zurückgewiesen. Sie stamme offenbar aus dem Umfeld des pakistanischen Geheimdienstes oder von "Personen im Einflussbereich von Osama Bin Laden" (dem von den USA als Terrordrahtzieher gesuchten, in Afghanistan untergetauchten saudiarabischen Milliardär), ließ die Botschaft verlauten.

Ein Sprecher der Kabuler Exil-Regierung machte die Taliban-Milizen und Bin Laden für den Anschlag verantwortlich. Die Attentäter - sie sollen aus Algerien stammen - hätten sich als Journalisten ausgegeben und den Sprengsatz während eines "Interviews" gezündet.

Im Prozess gegen acht ausländische Helfer von "Shelter Now International" (SNI) sind westliche Diplomaten weiterhin um konsularischen Beistand bemüht, morgen will auch EU-Entwicklungskommissar Poul Nielson in dieser Sache nach Kabul reisen.

Spekulationen, wonach die Taliban mit dem Prozess ihre internationale Anerkennung erzwingen wollen, wurden durch das Attentat auf Massud noch genährt. Die Taliban haben aber noch am Montag jegliche Verantwortung für diesen Anschlag zurückgewiesen.