Die UNO-Umweltorganisation UNEP stellte erhebliche radioaktive Kontamination an Einschlagsstellen von Uran-Munition fest und warnte vor dem Aufenthalt an Detonationsorten. Die vorläufige UNEP-Untersuchung stützt sich auf eine von der NATO übergebene Karte, die 112 Einschlagsstellen von Urangeschoßen nachweist. Sie widerspricht dem US-Verteidigungsministerium, wonach im Kosovo keine Spuren von abgereichertem Uran nachzuweisen seien.

Die Alliierten wollen von den USA die genauen Einsatzziele erfahren, um diese mit den Stationierungsorten ihrer Soldaten zu vergleichen, die ab 1995 in Bosnien-Herzegowina eingesetzt wurden. Auch bezüglich der Verwendung von Uran-Munition im Kosovo-Krieg 1999 haben die USA ihren NATO-Verbündeten nicht alle gewünschten Detailinformationen zur Verfügung gestellt. Bemerkenswert ist auch, dass amerikanische KFOR-Soldaten nicht am Westrand Kosovos stationiert sind, wo die Hauptmasse der Uran-Munition niederging. Bei etwa hundert Angriffsflügen mit A-10-Flugzeugen waren nach NATO-Angaben 31.000 Geschoße mit insgesamt rund acht Tonnen Uran abgefeuert worden.

Sofortige Gespräche mit den Regierungen von Jugoslawien und Bosnien-Herzegowina über mögliche Umweltgefahren für die Bevölkerung durch Reste von Uran-Munition hat der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, verlangt. Die hochgiftigen radioaktiven Uranstäube könnten vom Wind über Hunderte von Kilometern verteilt worden sein.

Neben anderen europäischen Regierungsmitgliedern gerät jetzt auch der deutsche Verteidigungsminister Scharping vermehrt unter Druck. Die CSU wirft ihm vor, auf das Balkan-Syndrom zu spät reagiert zu haben. Bundeskanzler Gerhard Schröder forderte in diesem Zusammenhang rückhaltlose Aufklärung. Österreichs EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber von den Grünen forderte die EU auf, ein Verbot von Uran-Munition durchzusetzen. "Diese Geschosse gehören international geächtet", meinte er in einer Aussendung.