Den personifizierten Teufel hatte Venezuelas Präsident Hugo Chávez seinen früheren amerikanischen Amtskollegen George W. Bush genannt und ein imperialistisches Bild der USA gezeichnet. Am Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Trinidad und Tobago wird er heute, Freitag, erstmals den neuen US-Präsidenten, Barack Obama, treffen; den, der auf Dialog statt auf Aggression setzen will; den, der die Reisebeschränkungen für Exilkubaner in den USA aufgehoben hat und die Blockade gegen Kuba gelockert hat.

Mit Spannung wird daher die Begegnung zwischen den beiden erwartet und ob es eine Annäherung zwischen den USA und Venezuela geben wird. Oder, ob Chávez trotz allem sein Bild der diabolischen USA aufrecht erhalten wird - so er sich das bei dem populären wie medienwirksamen Obama überhaupt leisten kann.

Nicht auf dem Gipfel dabei sein wird sein Idol und Mentor Fidel Castro, der greise ehemalige Staatschef Kubas. Denn der kommunistische Karibikstaat ist seit 1962 aus der OAS ausgeschlossen, da die Revolution Castros als unvereinbar mit den OAS-Zielen angesehen wurde. Das sich das ändert, wollen neben Venezuela ausgerechnet die Verbündeten der USA, Brasilien und Kolumbien.

Doch auch andere dürften in diesen Tenor einstimmen. Denn Staaten wie Nicaragua, Bolivien und Ecuador machen ihre Zukunftspläne bereits ohne die USA.

In dem Maße, in dem die USA Lateinamerika vernachlässigt haben, haben sich andere dort breit gemacht. Erst vor kurzem hat China erneut Milliardenabkommen in Südamerika abgeschlossen: In Venezuela investieren sie 12 Milliarden Dollar in einen Entwicklungsfonds, Ecuador erhält eine Milliarde für den Bau eines Wasserkraftwerks und Brasiliens staatliche Ölfirma erhält einen Kredit über zehn Milliarden. Ziel Pekings ist dabei, sich die natürlichen Ressourcen der Länder, zumal Erdöl, auf Jahre hinaus zu sichern. China ist bereits der zweitgrößte Handelspartner Lateinamerikas - nach den USA.

Obama sucht Neuanfang

Gleichzeitig stellt die Krise vor allem die Freihandelsabkommen infrage, die Washington mit vielen Ländern der Region abgeschlossen hat. Die Rezession in den USA macht den Ländern im Süden große Probleme, vor allem in Mexiko - mit Einbrüchen in der Produktion, beim Export und dem Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen.

Logisch, dass die USA wegwischen wollen, was sich ihnen als Tohuwabohu darstellt. Das Weiße Haus setze auf einen "Neuanfang" und eine "Wiederbelebung der Beziehungen", sagte Jeffrey Davidow, Obamas Berater für das OAS-Treffen. Der Präsident wolle mit Bescheidenheit das Image der oft geschmähten "Yankees" aufpolieren.