Harare. In Robert Mugabes Krisenstaat Simbabwe spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der Kollaps des öffentlichen Dienstes, der zu chronischem Mangel, Massenarmut, Hunger und einer Hyperinflation von 231 Millionen Prozent geführt hat, wird zunehmend lebensbedrohlich. Zuletzt brach in Teilen des Landes aufgrund der verheerenden hygienischen Verhältnisse eine Cholera-Epidemie aus - so auch in der Hauptstadt Harare. Dennoch stellten dort die städtischen Wasserwerke am Montag die ohnehin knappe Wasserversorgung gänzlich ein. Der Grund: Die Chemikalien für die Desinfektion gingen aus.

"Unser Land wird von einer von Menschen verursachten humanitären Krise verschlungen. Der Cholera-Ausbruch hat bisher mehr als 500 Menschenleben gefordert", meinte Morgan Tsvangirai, designierter Premier und Chef der Oppositionspartei MDC in Marokko. Die humanitäre Lage habe "katastrophale Ausmaße" angenommen, warnte er. Knapp sechs Millionen Simbabwer, mehr als die Hälfte der noch im Lande lebenden Menschen, hätten kaum noch etwas zu essen.

Auf den Hilfsorganisationen liegt die Hauptlast bei der Hilfe für die Bevölkerung. Doch ihre Arbeit wird behindert von einer weiterhin verzweifelt um die Macht kämpfenden Clique um den alternden autokratischen Präsidenten Mugabe (84). Immer wieder hat er seit den umstrittenen Wahlen vom März versucht, mit Tricks und Tücke seine Position zu halten. Eine Annäherung mit dem erfolgreich aus den Parlamentswahlen hervorgegangenen MDC von Tsvangirai liegt daher trotz aller Teilabkommen in weiter Ferne.

Der Oppositionspolitker sprach gerade dem regionalen Staatenbund SADC wie auch dessen Vermittler, Südafrikas Ex-Präsidenten Thabo Mbeki, das Misstrauen aus. Er sei kein ehrlicher Makler, hielt er ihm vor. Doch während die Suche nach einer politischen Lösung für den am Boden liegenden einstigen afrikanischen Modellstaat weiterhin erfolglos ist, wächst die Not. Und mit ihr die Wut.

Aufstand der Soldaten

In Harare wurden bereits erste Revolten gemeldet. Dort gab es zwar am Dienstag wieder einige wenige Rinnsale, die in mehreren Vierteln der Stadt aus den Wasserhähnen tröpfelten. Sie sind jedoch ebenso unzureichend wie der staatlich erlaubte Bargeld-Höchstbetrag, den die Simbabwer vom Konto abheben dürfen. Der Frust darüber ließ am Vortag hunderte Soldaten ausrasten. Sie zogen plündernd durch die Straßen, bis sie schwer bewaffnete Bereitschaftspolizei vertrieb.

Immerhin eine finanzielle Erleichterung versprach die Stadtverwaltung den bedrängten Simbabwern: Särge und Beerdigungen sind künftig kostenlos.