(klh) Wohl kaum ein Bundesstaat der USA pflegt noch immer so stark den Kult rund um Cowboys und Revolverhelden wie Texas. Daher nimmt es nicht wunder, dass sich die Waffenlobby nun ausgerechnet die Heimat von Ex-Präsident George W. Bush ausgesucht hat, um ein ihr genehmes Gesetz durchzukämpfen: Dass nämlich Studenten und Professoren künftig auf Hochschulen und Colleges verdeckt Waffen tragen dürfen. Sei es bei einer Lehrveranstaltung, sei es in den Wohnheimen, der Revolver soll zukünftig die Studenten begleiten.

Texas wäre nach Utah der zweite Bundesstaat, der Waffen an Hochschulen erlaubt. Die einflussreiche National Rifle Association hofft, dass bald weitere US-Staaten folgen werden.

Der Beschluss gilt in Texas nur noch als Formsache. Die Mehrheit der Politiker in Senat und Abgeordnetenhaus - in beiden Kammern haben die Republikaner die Mehrheit - hat sich bereits für das Gesetz ausgesprochen. Und auch Gouverneur Rick Perry, der selbst gerne eine Waffe bei sich hat, will das Gesetz unterschreiben.

Gegner stehen auf verlorenem Posten

Die Befürworter der neuen Regelung verweisen in ihrer Argumentation ausgerechnet auf Amokläufe an Universitäten. Bewaffnete Studenten hätten die Möglichkeit, die Täter zu stoppen. So verweist etwa der republikanische Gouverneur Jeff Wentworth auf das Massaker an der Virginia Tech im Jahr 2007, bei dem ein Student 32 Menschen umbrachte, ehe er sich selbst tötete. Er wolle keine Wiederholung dessen, was in der Virginia Tech passiert ist, "wo ein selbstmörderischer Wahnsinniger Studenten wie Tontauben abschießen konnte", betonte Wentworth.

Für die Gegner des neuen Gesetzes ist diese Argumentation grotesk. Die Vorstellung, jemand könnte einen Amokläufer mit einem Revolver stoppen, entspringe Heldenphantasien aus Computerspielen und habe nichts mit der Realität zu tun, sagt etwa Colin Goddard. Er war selbst bei dem Massaker auf der Virginia Tech durch mehrere Schüsse verletzt worden und spricht sich vehement gegen das neue Gesetz in Texas aus.

Doch scheint er damit ebenso auf verlorenem Posten zu stehen wie der Rektor der Universität von Texas in Austin, William Powers. Die Mixtur von jungen Leuten, Waffen und Partys am Wochenende sei hochexplosiv, warnte Powers.