Ein Freitag wie jeder andere. Scheinbar. Im New Yorker World Trade Center (WTC) gehen rund 20.000 Menschen ihrer Arbeit nach und viermal so viele werden dieses symbolische Zentrum der westlichen Wirtschaftskraft am Südzipfel von Manhattan besuchen. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo wird ein Terrorist festgenommen, der im überfüllten Lokal "Wadi El Nil" eine Bombe gezündet und dabei zwei Menschen getötet und achtzehn weitere verletzt hat. In Algiers geht fast zur selben Zeit eine mächtige Bombe los und zerstört die städtische Telefon-Zentrale.

Ein gemieteter "Ford Econoline" Lieferwagen fährt in die Tiefgarage des "World Trade Centers" - eine der wenigen Tiefgaragen in Manhattan. Wenig später fliegt der Wagen in die Luft. Er verwüstet die Garage und reißt einen tiefen Krater auf - von 60 mal 30 Metern Größe und einer Tiefe von vier Stockwerken. Der Rauch steigt bis zum 46. der 110 Stockwerke hoch. Sechs Menschen werden getötet und über 1000 verletzt. Im Parkhaus liegen 6000 Tonnen Schutt. Experten schätzen, dass die Sprengladung ein Gewicht von rund 700 Kilogramm hatte. Glück im Unglück: Der Anschlag war offenbar darauf angelegt, das Gebäude zum Einsturz zu bringen, dies gelingt aber nicht. Seine Erbauer weisen stolz darauf hin, dass es selbst einer Kollision mit dem "Jumbo-Jet" widerstehen werde.

"Kommissar Zufall" hilft, den Tätern auf die Spur zu kommen: Vom Bombenauto ist zwar so gut wie nichts übrig geblieben, aber man findet das stark verbogene Nummernschild. Der Wagen gehört einer Autovermietung in New Jersey. Und dort wird ein junger Mann vorstellig, der den Wagen gemietet hat und seine Kaution zurückfordert. Die Polizei nimmt ihn fest und es dauert nicht lange, bis man die Gruppe identifiziert hat.

Im Zentrum steht Ramzi Yousef, ein Araber, der 1992 in die USA eingewandert ist und dessen Herkunft mehr als unklar ist. Er selbst bezeichnet sich als Palästinenser, will in Kuwait geboren und naturalisierter Pakistani sein. Ramzi Yousef hatte in Afghanistan eines der Trainingslager durchlaufen, die Nachwuchs für terroristisch-revolutionäre Gruppen in der arabischen Welt ausbildeten. Und auch ein zweiter, Mahmoud Abuhalima, hat solch einen Afghanistan Hintergrund.

Alle Verdächtigen gehören zum Umfeld eines blinden ägyptischen Geistlichen, der in seiner Heimat wegen Umsturzplänen gesucht wird und der in New Jersey eine neue Bleibe gefunden hat. Scheikh Omar Abdul Rahman wird in der Folge ebenfalls festgenommen. Ägypten scheint jedoch nicht an seiner Auslieferung interessiert. Obwohl Präsident Mubarak erklärt, man habe die Vereinigten Staaten wiederholt gewarnt, aber selber nicht geahnt, was da in Vorbereitung war.

Der blinde Scheich ist mehrmals mit einem falschen sudanischen Pass in die USA eingereist, die Behörden unternehmen aber nichts gegen ihn. Angeblich, weil er in Ägypten mit der Todesstrafe bedroht sei, will man ihn auch nicht in seine Heimat ausliefern. Und es gelingt Washington offenbar, auch den ägyptischen Präsidenten zu überreden, Rahmans Auslieferung gar nicht erst zu verlangen.

Auch die ägyptische Justiz verlangt nicht die Auslieferung und Abdul Rahman wird schließlich - wie auch die Bombenleger - zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Beweise für seine direkte Verstrickung in den Anschlag wurden bis heute nicht vorgelegt. So, wie bei den anderen Tätern weiterhin Unklarheit über die Motive herrscht.

Offenbar hat Ramzi Yousef - der "Profi" der Gruppe - die anderen mitgerissen, indem er an ihre fanatischen religiösen Ideale appellierte, die wiederum von Sheikh Abdul Rahman gepflegt und gefördert wurden. Sonst aber ist der Anschlag vom 26. Februar 1993 eher das Werk einer kleinen Gruppe fanatischer und entschlossener Extremisten. Und auch ihre Drohungen, es gebe noch über 150 zu allem entschlossene Täter in den USA, sind wohl eher Übertreibung. Immerhin soll es achteinhalb Jahre dauern, bis das World Trade Center wieder Ziel eines - diesmal allerdings in jeder Hinsicht katastrophalen - Terroranschlags wird.

Dieser Text wurde uns vom Deutschen Programm der "Deutschen Welle" zur Verfügung gestellt und ist dort Teil der Sendereihe "Rück-Blicke". Er kann auch unter www.dwelle.de (dort: "Kalenderblatt") nachgelesen und online gehört werden.