Bubis sei ein schlechter Mensch gewesen, der die Tatsache, daß er Jude gewesen sei, zu seinem geschäftlichen Vorteil genutzt habe, sagte Mendelssohn am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Der am Freitag in Frankfurt verstorbene Bubis war auf eigenen Wunsch in Israel beigesetzt worden, um rechtsradikale Anschläge auf die Grabstätte zu verhindern. Auf einem Reuters vorliegenden Video

der Beisetzung ist zu erkennen, wie ein schwarzer Strahl ins Grab schießt, als die Totengräber Erde in die Grube schaufeln. Der Täter selbst ist dabei nicht zu sehen. Der weißbärtige Mendelssohn

erscheint erst in einer anderen Kameraeinstellung auf dem Video. Die Polizei in Tel Aviv teilte mit, sie werde die Ermittlungen aufnehmen, wenn es Beweise für den Zwischenfall gebe.

Der 50-jährige Mendelssohn, der fast drei Jahrzehnte in Deutschland gelebt hat, erklärte, er habe Bubis bereits zu Lebzeiten angedroht, dass er sein Grab schänden werde. "Er ist ein schlechter

Mensch. Er hat auf dem schwarzen Markt gehandelt. Er hat Geld gestohlen.

Er hat illegal gebaut. Er hat Gebäude zerstört, die sehr alt waren. Da er aber Jude war, konnte man niemals etwas sagen. Er hat sein Judentum zum eigenen Vorteil ausgenutzt", sagte Mendelssohn.

In einem Interview mit der israelischen Zeitung "Haaretz" bezeichnete er Bubis als "Kriminellen", der Bordelle besessen habe und "für die Studentenrevolte von 1968 in Deutschland

mitverantwortlich war". Mendelssohn hatte bei den vergangenen israelischen Gemeindewahlen für den Tel Aviver Stadtrat kandidiert. Bubis sei Kollaborateur der Nazis gewesen, begründete Mendelson seine

Tat im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Bubis war am Ende des Zweiten Weltkrieges 18 Jahre alt. Sein Vater, ein Bruder und eine Schwester kamen während des NS-Terrors ums Leben.

Die Vize-Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte, es handle sich um "eine sehr unwürdige Angelegenheit eines Verrückten, der in irgend einer Form seinen

Hirngespinsten freien Lauf gelassen hat". Der deutsche Botschafter in Israel, Reinhard Wiemer, reagierte empört auf die Grabschändung.

In einem seiner letzten Interviews äußerte Bubis den Wunsch in Israel begraben zu werden: "Weil ich nicht will, dass mein Grab in die Luft gesprengt wird · wie das von Heinz Galinski." Auf das Grab

seines Vorgängers in Berlin hatten Unbekannte 1998 einen Anschlag verübt.

Der Zentralrat kritisierte unterdessen die zunehmenden Spekulationen um einen Nachfolger für Bubis. Mit der Nennung von Namen wollten sich einzelne Personen offenbar selbst profilieren und ins

Gespräch bringen, sagte Vizepräsidentin Knobloch. Als möglicher Nachfolger wird der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Andreas Nachama, gehandelt. Das achtköpfige Präsidium des Zentralrats

der Juden werde am 24. August in Frankfurt/Main in einer ersten Sitzung über das weitere Vorgehen beraten. Bei dieser Besprechung werde jedoch noch kein neuer Präsident gewählt, sagte Knobloch.