Tripolis. (klh) In Libyen kommen die grausamen und brutalen Handlungen des Gaddafi-Regimes immer mehr ans Tageslicht. So haben Ermittler des Übergangsrates nun ein Massengrab mit mehr als 1200 Leichen entdeckt. Bei den Getöteten handelt es sich laut einem Sprecher des Rates um Häftlinge aus dem Staatssicherheitsgefängnis Abu Salim, die 1996 von Gaddafi-Schergen bei einer Vergeltungsaktion niedergemetzelt wurden.

Das Gefängnis von Abu Salim war berüchtigt. Hier waren vor allem politische Gefangene inhaftiert, oftmals jahrelang ohne Anklage. 1996 brach wegen der katastrophalen Haftbedingungen eine Revolte aus. Manche Häftlinge forderten einfach auch nur Informationen, warum sie eingesperrt worden waren. Eine Spezialeinheit durchkämmte daraufhin die Haftanstalt, erschoss die Insassen in ihren Zellen oder stellte sie im Gefängnishof an die Wand. Angeordnet hatte das Blutbad der Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi. Er ist wie Gaddafi und dessen Sohn Saif al-Islam untergetaucht. Sie sind bereits vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt worden.

Das Massaker in Abu Salim sollte die Opposition zerschlagen, doch 15 Jahre später hat es den Sturz von Gaddafi befeuert. Denn viele der Getöteten stammten aus Bengasi. Und ihre Angehörigen zählten zu den Ersten, die dort die Revolution initiierten und gegen das Gaddafi-Regime demonstrierten.

Dessen Reste leisten noch immer erbitterten Widerstand. In Sirte verwickeln die Gaddafi-Truppen die Kämpfer des Rates ständig in heftige Gefechte. Obwohl der Rat immer wieder Unterstützung durch Nato-Bomben erhält, konnte er Sirte noch nicht einnehmen. Am Montag startete er daher eine neue Großoffensive und griff mit Panzern an. Die Küstenstadt liegt in Gaddafis Heimatregion und ist eine seiner letzten Bastionen. Die Eroberung Sirtes wäre auch symbolisch ein großer Erfolg für den Rat und ein weiterer Rückschlag für den Ex-Despoten.

Internationale Organisationen verlangen indes Zugang zu den umkämpften Gebieten. Das Rote Kreuz zeigte sich besorgt. Sowohl in Sirte als auch in Bani Walid - einer weiteren Stadt, in der noch gekämpft wird - würden Lebensmittel immer knapper, es fehle an medizinischer Versorgung.