Damaskus. Ein Jahr nach Beginn des Aufstandes in Syrien nimmt die Gewalt kein Ende. Während das Assad-Regime in der Hauptstadt Damaskus und in den Städten Deir al-Zor, Hasake, Tartus, Al-Suwaida und Hasaka seine Anhänger aufmarschieren ließ, wurden aus drei Stadtteilen von Damaskus Gefechte zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Kämpfern gemeldet.

Westlich der von Regierungstruppen am Mittwoch eingenommenen Stadt Idlib, in Masraat Wadi Khaled, wurden am Donnerstag nach Angaben von Aktivisten 23 Leichen mit Spuren schwerer Folter entdeckt. Wie die im Exil ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, waren den Getöteten die Augen verbunden und die Hände gefesselt worden. Sie starben durch Kopfschüsse.

Die Kämpfe in Syrien treiben immer mehr Menschen in die Flucht: Innerhalb eines Tages kamen rund tausend syrische Flüchtlinge in die Türkei, teilte der türkische Außenamtssprecher Selcuk Ünal in Ankara mit. Vize-Regierungschef Besir Atalay warf der syrischen Führung im türkischen Fernsehen vor, die Fluchtrouten entlang der Grenze zwischen beiden Staaten mit Sprengsätzen zu verminen. Die syrische Armee greife damit militärisch ein, um Menschen an ihrer Flucht in das Nachbarland zu hindern. Es seien dadurch bereits viele Menschen getötet worden.

Seit dem Beginn der blutigen Unterdrückung der Widerstandsbewegung vor einem Jahr sind schon 14.700 Menschen in die Türkei geflohen. In Ankara rechnet man mit bis zu 50.000 Flüchtlingen. Die türkischen Behörden bauen deshalb ihre Auffanglager an der syrischen Grenze aus.

Unter den Neuankömmlingen der vergangenen 24 Stunden war laut dem türkischen Außenamtssprecher auch ein weiterer General der syrischen Streitkräfte. Damit setzten sich bisher insgesamt sieben syrische Generäle in die Türkei ab. Einige der geflohenen Deserteure kämpfen in der "Freien Syrischen Armee" (FSA) gegen die Truppen von Assad. Während in den ersten Monaten des Konflikts in Syrien vor allem einfache Soldaten und Offiziere niederer Dienstränge in die Türkei flohen, kommen seit einigen Wochen zunehmend hochrangige Offiziere über die Grenze.

Assad holte sich
angeblich Rat in Teheran


Die britische Zeitung "The Guardian" berichtete unterdessen, aus E-Mails von Assad, die sich Hacker beschafft hätten, gehe hervor, dass dieser zu Beginn des Aufstandes von der iranischen Führung den Rat erhalten habe, in seinen öffentlichen Auftritten Härte und Stärke zu demonstrieren. Die ersten Reden Assads nach Ausbruch der Proteste hatten vor einem Jahr maßgeblich zur Radikalisierung der Protestbewegung beigetragen, die mit friedlichen Demonstrationen begonnen hatte.

Die E-Mails, deren Echtheit laut "Guardian" letztlich nicht zweifelsfrei überprüft werden kann, zeigen auch, dass eine Tochter des Emirs von Katar vergeblich versucht hatte, die Präsidentengattin Asmaa al-Assad für eine Exil-Lösung zu gewinnen.