Der erste Afghanistan-Einsatz von Prinz Harry (links im Bild) blieb noch geheim. Der aktuelle Einsatz des Windsor-Sprosses wurde demonstrativ angekündigt. - © APAweb / AP / John Stillwell
Der erste Afghanistan-Einsatz von Prinz Harry (links im Bild) blieb noch geheim. Der aktuelle Einsatz des Windsor-Sprosses wurde demonstrativ angekündigt. - © APAweb / AP / John Stillwell

Kabul. Radikalislamische Taliban haben in der Nacht auf Samstag jenen britischen Militärstützpunkt in der afghanischen Provinz Helmand angegriffen, in dem auch Prinz Harry seinen Dienst versieht. Zwei US-Soldaten starben bei dem Angriff, fünf weitere ISAF-Soldaten wurden verletzt.

Mit Panzerfäusten, Granaten und leichten Waffen attackierten die Islamisten Camp Leatherneck, den amerikanischen Teil eines von mehreren Nationen gemeinsam genutzte Militärlagers in der Provinz Helmand. Gebäude, ein Hangar und mehrere Flugzeuge seien beschädigt worden, meldete der US-Sender Fox News unter Berufung auf die ISAF.

Prinz Harry war einem Bericht der britischen Agentur PA zufolge am vergangenen Freitag in Camp Bastion, dem britischen Teil des Lagers, eingetroffen. Zum Zeitpunkt des Angriffs habe er sich zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Apache-Kampfhubschrauber-Einheit in rund zwei Kilometer Entfernung aufgehalten.

Die Taliban haben sich am Samstag zu dem Anschlag bekannt, offensichtlich war Prinz Harry nicht das Primärziel. Das wurde auch von britischen Sicherheitsbwehörden bestätigt. Die Aufständischen seien bei ihrem Angriff auf das Militärlager in Afghanistan nicht annähernd in die Nähe von Harry gekommen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Quellen im Londoner Verteidigungsministerium.

Die Taliban selbst sprachen von einem Vergeltungsakt wegen des in den USA gedrehten Mohammed-Schmähfilms, der derzeit wütende Proteste in der arabischen Welt auslöst.

Der Angriff war verlustreich für die Terrorkämpfer: Ein Sprecher des Gouverneurs von Helmand berichtete von 17 Leichen, allesamt vermutlich getötete Aufständische.

"Töten, nicht entführen"

Am vergangenen Montag hatten die Taliban damit gedroht, Prinz Harry zu töten. "Wir wollen ihn nicht entführen, sondern wir werden ihn töten", erklärte ein Taliban-Sprecher. Die Taliban hätten einen "bedeutenden Plan" ausgearbeitet, um Prinz Harry in der Unruheprovinz Helmand anzugreifen und umzubringen.

Prinz Harry, der heute seinen 28. Geburtstag feiert, war bereits 2008 am Hindukusch stationiert. Der geheime Einsatz war jedoch nach kurzer Zeit abgebrochen worden, nachdem die Presse darüber berichtet hatte. Diesmal soll "Captain Wales" vier Monate in Afghanistan bleiben. Geheimhaltung gibt es keine, das britische Verteidigungsministerium veröffentlichte sogar Fotos und ein Video von Prinz Harrys erstem Tag in der Provinz Helmand.

In den vergangenen Tagen hatte es in zahlreichen muslimischen Ländern gewaltsame Proteste und Angriffe auf US-Ziele gegeben. Bei einem Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi kamen vier US-Amerikaner, darunter der Botschafter Washingtons in dem nordafrikanischen Land, Christopher Stevens, ums Leben. Anlass ist ein in den USA hergestellter islamfeindlicher Film.