Tokio. (is) Japans regierende Demokraten (DPJ) stehen mit dem Rücken zur Wand: Die Umfragedaten sind im Keller, ebenso Japans Wirtschaftsdaten, die in Umfragen zulegenden oppositionellen Liberaldemokraten (LDP) wollen Neuwahlen bis Dezember erzwingen und außenpolitisch droht dem Land Ungemach wegen des Inselstreits mit China: Mit einer umfassenden Kabinettsumbildung trat Minister Yoshihiko Noda nun die verzweifelte Flucht nach vorn an. Am Montag besetzte er zehn Ministerposten neu; darunter den des Finanzministers. Die Leitung übernimmt der Koriki Jojima, nachdem sich sein Vorgänger Jun Azumi wegen der im Sommer beschlossenen Verdoppelung der Mehrwertsteuer in der Bevölkerung unbeliebt gemacht hatte. Der 65-jährige Jojima steht vor großen Herausforderungen: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt steht am Rande einer Rezession, die Exportwirtschaft lahmt. Den japanischen Firmen machen der starke Yen, die Schuldenkrise in Europa und neuerdings auch Probleme auf ihrem wichtigsten Export-Markt China infolge des Insel-Streits zwischen beiden Ländern zu schaffen.

Als versöhnliches Signal an Peking wird derweil die Berufung der für ihre guten China-Kontakte bekannten Ex-Außenministerin Makiko Tanaka gewertet. Die Tochter von Ex-Ministerpräsident Kakuei Tanaka, der 1972 die Beziehungen mit der Volksrepublik normalisiert hatte, übernimmt die Leitung des Bildungsressorts. Als tatkräftige Reformerin ist sie auch bei der Bevölkerung hoch angeschrieben. Seine hohe Beliebtheit vor allem unter den nationalistisch gesinnten Japanern dürfte auch das Motiv für Nodas Ernennung des Ex-Chefdiplomaten und außenpolitischen Hardliners Seiji Maehara zum neuen Strategieminister gewesen sein. Die Leiter der meisten Schlüsselministerien - etwa Äußeres, Verteidigung, Inneres oder Industrie - behielten ihre Posten.

Dass Noda mit dem bereits dritten Kabinettsumbau binnen eines Jahres seinen und den Machtverlust seiner Partei noch abwenden kann, bezweifeln viele Beobachter. Die Zeit für eine Imagekur ist zudem kurz: Bis Ende des Jahres müssen Neuwahlen stattfinden - so lautet jedenfalls die Forderung der LDP; und von deren Kooperationswillen ist Noda im Oberhaus abhängig. Dort hat die Oppositionspartei nach ihrer historischen Wahlschlappe von 2009 die Mehrheit bereits zurückerobert. Nun will sie das auch im Unterhaus nachholen.