Digitaler Vorreiter

Für Barack Obama ist die Haus- und Hof-Agentur "Blue State Digital" am Werk - Blau ist die Farbe der Demokraten. Blue State Digital hat im Wahlkampf 2008 erstmals Html5-Webseiten verwendet - Seiten, die man genauso gut am Tablet-PC wie auch am Mobiltelefon lesen kann. Damit war Obama in einer digitalen Vorreiterrolle, die Html5-Programmierung wird nun von allen nachgemacht. Etwa von der selbstsicher klingenden Agentur "Targeted Victory", die für Mitt Romney das Internet zu mobilisieren versucht. "Harris Media" ist eine junge republikanische Agentur, die zuerst für Rick Perry als potenziellen Kandidaten der Republikaner gearbeitet hat und dann für Newt Gingrich, der ebenfalls letztlich gegen Mitt Romney in der parteiinternen Vorentscheidung verloren hatte.

Keine der Agenturen gibt vor, dass man allein mit dem Internet eine Wahl gewinnen kann. Aber das Internet kann ausschlaggebend sein, ob der Kandidat verliert oder gewinnt. Nicht nur, um an die Wähler heranzukommen, die Unentschlossenen zu mobilisieren, sondern auch, um analoge Märsche zu organisieren oder Spenden zu sammeln.

Flexibel, humorvoll

Mit dem "This Seat Is Taken"-Sessel-Foto bewies das digitale Team von Obama Schnelligkeit, Flexibilität und Humor. Ein ähnlicher Stunt seitens des Team Romneys fehlt noch. "Es gibt definitiv dieses Stereotyp, dass die Linken hier entwickelter sind als die Rechten", meint Amy Brown. Dafür sind die Konservativen treuer.

Obama hat knapp 30 Millionen "Likes" auf Facebook. Sein Gegner bei der US-Präsidentschaftswahl, Mitt Romney, hat nur knapp 8 Millionen. Doch die Fans von Romney sind interaktiver. Knapp 2 Millionen davon "sprechen darüber", das bedeutet im Facebook-Lingo, dass ein Viertel seiner Facebook-Gefolgschaft in der letzten Woche einmal mit der Seite interagiert hat - sei es durch das Klicken eines "Gefällt mir" Buttons auf der Seite oder durch das Posten eines Kommentars oder Weiterleiten eines Statements. Nur 1,4 Millionen der Unterstützer von Barack Obama "sprechen darüber" - über Obamas Botschaften auf Facebook.

"Wir fragen auch unsere FB-Nutzer ausdrücklich nach Kommentaren", erklärt Brown, die sich um den Web-Content für republikanische Kongressabgeordnete kümmert. "Dadurch kommen wir im Facebook-Algorithmus höher. Und wenn man die Nutzer ausdrücklich nach Interaktion fragt, ist es Studien zufolge dreimal so wahrscheinlich, dass sie mit dem Content interagieren." Das hat allerdings wieder etwas mit "Sophistication" zu tun.