Graben zwischen Saudis und Persern wird tiefer

Daher ist es nun für die iranische Führung umso wichtiger, den "Kampf" Sunniten gegen Schiiten für sich zu wenden. Vergessen ist die Euphorie, als mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad 2007 zum ersten Mal seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 ein amtierender iranischer Präsident inmitten weiß gekleideter muslimischer Pilger aus aller Welt den heiligen Boden von Mekka geküsst und eine Annäherung von Iran und Saudi-Arabien proklamiert hatte.

Dass der sunnitische "Wächter der Heiligen islamischen Stätten", der saudische König Abdullah, den Präsidenten des einzigen von religiösen Schiiten geführten Landes zur Pilgerfahrt lud, war damals ein Versuch, den tiefen Graben zwischen den islamischen Religionsströmungen zu überwinden. Doch dieser Graben ist seit dem Irakkrieg bedrohlich tiefer geworden: Die von überwiegend pro-iranischen Schiiten geführte Bagdader Führung beschuldigt - ebenso wie Teheran - die Saudis schon seit langem, die blutige Rebellion der Sunniten im Irak tatkräftig zu unterstützen.

Umgekehrt haben sunnitische Herrscher am Persischen Golf, in Jordanien und Ägypten Angst vor dem neu auflebenden schiitischen Halbmond unter der Federführung Teherans. Hinzu kommt die Furcht vor einer iranischen Atombombe. Teheran wiederum will in der Syrien-Krise seinen wichtigsten Verbündeten in der Region nicht verlieren und unterstützt Damaskus offenbar mit Waffen, Geld und Personal.

Iran schickt seine Eliteeinheiten nach Syrien

Was das "Wall Street Journal" vor einigen Wochen berichtete, wurde der "Wiener Zeitung" von Experten in Damaskus bestätigt: Der Iran schickt regelmäßig militärische Führungskräfte der iranischen Eliteeinheit - den Revolutionsgarden - sowie tausende Soldaten nach Syrien.

Zudem trainiert die Führung in Teheran schon lange Mitglieder des syrischen Sicherheitsapparats in Cyber-Sicherheit und Spionagetätigkeiten. Die Entscheidung, Truppen zu entsenden, sei schließlich nach Anschlägen in Damaskus und Aleppo in diesem Sommer gefallen, insbesondere nach einer Explosion im Juli, bei der vier Mitglieder des inneren Führungszirkels von Präsident Bashar al-Assad getötet worden seien, heißt es in dem Bericht.

Auch die libanesische Hisbollah mit ihrem Führer Hassan Nasrallah wird vom Iran tatkräftig unterstützt. Teherans Politik basiert auf fünf strategischen Zielen: der Ausbau des schiitischen Einflusses vor allem in Bahrain, aber auch im restlichen schiitischen Halbmond, die Hilfestellung für die Palästinenser, die unbedingte Vermeidung des Sturzes des Assad-Regimes, die Festigung des Einflusses gegenüber Israel mittels Hisbollah und Hamas und letztlich der "Widerstand gegen die sunnitischen Machtspiele" - wie etwa im Libanon, der immer tiefer in diesen regionalen Konflikt zischen Schiiten und Sunniten hineingezogen wird.