Rangun.

Als ihr Haus angezündet wurde, lief Ashra Banu um ihr Leben. "Während wir davonrannten, wurden wir beschossen", berichtete die vierfache Mutter aus der burmesischen Region Rakhine der Nachrichtenagentur Reuters. Auf sie geschossen hätten sowohl die Polizei als auch Angehörige der buddhistischen Lokalbevölkerung.

Die 33-Jährige ist eine moslemische Rohingya. Tausende Angehörige dieser Minderheit sind derzeit auf der Flucht. Der Grund dafür ist ethnische Gewalt zwischen Buddhisten, der Mehrheitsbevölkerung in Burma (Myanmar), und Moslems. Mindestens 3000 Häuser wurden während der Ausschreitungen in den vergangenen Tagen in Rakhine schon niedergebrannt. Nach offiziellen Angaben wurden 84 Menschen getötet, Menschenrechtsorganisationen schätzen die Zahl der Todesopfer aber viel höher ein. Unklar ist, wer auf wen zuerst losging. Klar ist aber, dass der Großteil der mehr als 20.000 Flüchtlinge, die durch die Unruhen vertrieben wurden, Rohingyas sind.

Verfolgt und enteignet

Täglich kommen nun neue Flüchtlinge in die Camps nahe der Provinzhauptstadt Sittwe. Die Behörden sind aber laut Auggenzeugen mit dem Ansturm überfordert, viele Flüchtlinge schlafen neben Bäumen unter freiem Himmel, die Malaria ist ausgebrochen. Einige Rohingyas versuchen auch, nach Bangladesch zu fliehen. Doch das Nachbarland hat die Grenzen dichtgemacht.

Offenbar will niemand die Rohingyas haben. Denn auch in Burma sind sie, obwohl sie teilweise schon seit Generationen dort leben, nicht willkommen und werden von der buddhistischen Mehrheit und den Behörden diskriminiert. Die Regierung erkennt die rund 800.000 Rohingyas in Burma nicht als Minderheit und nicht einmal als Staatsbürger an. Viele Rechte bleiben ihnen dadurch verwehrt. In Rakhine - einem der ärmsten Bundesstaaten im ohnehin schon armen Burma - wurden Rohingyas enteignet und das Land der buddhistischen Lokalbevölkerung zugeschoben. Welch schweres Los die Rohingyas haben, darauf weist auch die UNO hin. Für die Vereinten Nationen sind die Rohingyas eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt.

Immer wieder kommt es in Rakhine zu ethnischer Gewalt zwischen Buddhisten und Moslems. Bereits im Juni wurden 90 Menschen getötet und 80.000 Moslems vertrieben. Damals wurde Rohingyas vorgeworfen, eine Buddhistin vergewaltigt zu haben. Was die jüngsten Unruhen auslöste , ist unklar. Doch verschiedenste Anlässe können die ethnischen Spannungen explodieren lassen: Geschichten über vermeintliche oder tatsächlich Verbrechen, Landstreitigkeiten oder auch Demonstrationen, die eskalieren.

Fraglich ist auch noch, welche Rolle die Sicherheitskräfte bei den jüngsten Unruhen spielen. Augenzeugen berichteten einerseits, dass Polizisten ebenfalls auf Rohingyas losgingen. Andererseits soll das Militär auch auf Buddhisten geschossen haben, die versucht haben, Dörfer der Rohingyas zu stürmen.

Burmas Präsident Thein Sein steht jedenfalls unter wachsendem Druck, die Unruhen zu beenden. Die Vereinten Nationen riefen die Regierung dringend dazu auf, die Rohingya-Minderheit besser zu schützen.

Thein Sein hatte zuletzt Burma mehr Ansehen verschafft. Der ehemalige Offizier leitete nach Jahrzehnten der Militärdiktatur einen demokratischen Reformprozess ein, was den einstigen Pariastaat wieder an die USA und die EU annäherte. Ethnische Unruhen passen da gar nicht zu dem neuen Bild, das sich Burma zu geben versucht. Die Regierung hat nun zusätzliche Sicherheitskräfte aufgestellt und angekündigt, die Unruhestifter zu bestrafen.